Samstag, 30. November 2013

Gesichtszone

Am Boden liegend ertönt ihr gutturaler Laut in Mono, eine Echospur, die Teil des Todesgesangs und im Äther ein illusionistischer Missbrauch einer verlorenen Gestalt ist. Die Bildung einer Reihe Bewegungen schleichen sich experimentell in den Überlebenskampf ein, die zum Elektrisieren des Körpers führen und den Aufbruch der Eingrenzungen durch Zuckungen der Extremitäten einleiten. In diesen Exzessen verbirgt sich eine Sanftheit bis in eine Schläfrigkeit führend, welche die menschliche Fragilität überschneidet. Die Episode einer zerrütteten Weltansicht, die in einen Leidensweg endet, der in die Manipulation des Körpers durch die Seele Erlösung erlangt.

Als Schönheit geboren ist sie im Inneren von der Welt isoliert. In Hysterie schallt ihr letzter Schrei, wie in Zorn zerrissen spukt sie Blut, da ihr Magen ein Vogelkäfig ist.

Die vergessene Urheberin dieses Stücks ist weder natürlich eine Verrückte noch irrsinniger Weise eine konventionelle Natürlichkeit. Aber die Entschlafene bleibt verfügbar im Raum, da sie die Reise im Inneren ihres Fleisches, entlang den Bahnen ihrer Sehnen und Nerven vollführt. Die Intensität der Abspaltung vom Körper steht dem Ende gegenüber. Der eigene Mord ist die dunkle Bekenntnis zu ihrer Finsternis, als Lied gespielt.

Der Mord löst Fesseln, in der Stärke des Schattens kann das Böse ihre Ängste auflösen. Da wird sie zurück in ihr Bewusstsein katapultiert, was zum ersten Mal die Beherrschung über den Körper ermöglicht und die Entgleisung unvorhergesehene Ausmaße annimmt. Sie bricht entzwei. Die Berufung ihrer Dunkelheit zur übergroßen Schreckensgestalt kann keine Gesichter mehr verbergen und im Unbehagen setzt Kontrollverlust ein.

Die Gründe ihrer Abspaltung, eine wohlklingende Leere, sind undurchsichtig, mögen aber ihrem Naturell entsprechen. Dort entsteht eine authentische Hymne, sie als Heldin, weil sie sich von der irdischer Sklaverei der Natur befreit. Sie wirft diese Autorität in einer langsamen Elektrisierung der Nervenbahnen von sich. Somit muss sie nicht eine Verteidigung leisten, die ihr Qualen zurückbringen würden.

Die solide Verbindung vom Körper und Seele wird durchtrennt, die Realität kann durch die Seele geprägt werden und verzerrt die Zeit. Der Verstand wird infiziert.

Ein statuiertes Exempel, das groß ist, weil es ein Leben birgt. Trotz der Probleme das Opfer im Haus zu sein, kompensiert ihre Euphorie die Schlacht um Harmonie, die in die Urheberin einfahren und sie adeln. Dies ist zumindest in diesem Versuch gut gelungen, da die Einsamkeit radikal ist. Sie rammt ein Messer in ihre Mundwinkel und schneidet ihre Wangen auf, solange bis das Gesicht auseinanderklafft. Das Messer ist eine heilbringende Gnade.

Ihre innere Landschaft ist so pulsierend wie der Blutstrahl und ihr Mut beinhaltet eine Kraft, die die tiefe, intime Stimmung nicht abbricht. So umschmeichelt sie ihr imaginäres Inneres als klangvolle Persönlichkeit, indem sie röchelnd spuckt. Die Szenerie schlängelt sich um sie, gleitet in ihren offenen Schlund und durchflutet ihre Bauchhöhle wie einen Raum. Sie schwingt souverän und durch ihre Nase rauscht ein atonaler Hauch, eine Klage die bassig flötet. Ein offenes Ende, dass in Zartheit gewogen wird. Das Beste in ihr ertönt.

Der hörbare Lacher ist eine irre Antwort, ein Versteckspiel einer vertrackten Natur, die im Handeln doppeldeutig ist.

Der Kampf manifestierte sich früh in ihr und berichtet, eine düstere Warnung. In dem Moment als ihre Psyche mit dem Körper verschmilzt, ist sie lediglich eine Montage. Ihre Entstellung ist die Herrlichkeit ihrer Erkenntnis.
Die Selbstzerstörung erscheint einer Liebeserklärung gleich zu kommen. Sie umschwärmt ihr Selbst und in dieser Art und Weise inszeniert sie eine neue Realität, die in einer Wahnvorstellung rätselhaft versteckt liegt. Die Desorientierung dient als Zugang, eine Motivation zum Untergang und löst die verhängnisvolle Verbindung endgültig. Ihre Leiche zerfließt mit dem austretenden Blut.

JD

Samstag, 26. Oktober 2013

Bilder aus der Vergangenheit

In den nächsten Tagen jährt sich der Tag ihrer Geburt und sie dringen wie Schüsse in ihr Bewusstsein. Als Auftakt einer episodenhaften Bebilderung der Vergangenheit lösen sie in ihrem Geist Halluzinationen aus, die ihren Appetit auf das Leben stören. Getarnt als Leichnam toter Erinnerungen erzeugt diese Verwicklung eine Schießwut, die den Einstieg für eine Abfolge schwebender Gedankenfetzen bildet. Eine Seelenqual, die ihr Geist früh professionalisierte und gleichzeitig zur Inszenierung des Gewissens ausnutzte. Hierfür ist ein emotionales Blutbad Mittel für die Präsentation. Die Ästhetik veranschaulicht serienhaft ihre Schönheit in der Denkweise eines Killers. Kein verbaler Eintritt in die Szenerie bereitet sie vor, sondern intuitiv beginnt der Prozess. Eine Schlussfolgerung bieten immer nur die Bilder im Kopf.
Dort kann auf einen Raum voller Knochen gestoßen werden, die für ihre Beklommenheit stehen. Sieben tote weibliche Skelette von Tieren des Waldes, die ineinander gelegt wurden. Eine Andeutung von reiner Nacktheit nährt den Zweifel welche Präsenz sie als Frau zu haben scheint. Die tiefgehenden Blicke in ihren Abgrund sprechen von einem animalischen Willen, der vom Zorn gezogen wird und erregt ein Ungleichgewicht, die auf ihre Gefährlichkeit aufmerksam macht. Das geschmackvolle Arrangement erscheint ähnlich einer kritischen Debatte über die Herrschaft der Situation. Kein Ton ist von Bedarf, sondern der Charme spricht die Bedrohung aus und leistet durch die Präsentation großartige Arbeit. Wie alles im Leben vermittelt die Weise des Stils das Bedürfnis. Ein beachtliches Bild hat das Vermögen sie in einen komatösen Zustand zu versetzen, den Grund für einhergehende Verantwortung sich selber gegenüber zu offenbaren und den Mord an ihre Identität insgeheim zu verdeutlichen. Überlagert wird dies durch einen Reiz, ein Zucken gottgleicher, höherer Impulse. Ein Mensch, der mit seinem Wachstum in Verbindung tritt. Der Kadaver in ihr ist überwuchert von menschlicher Grausamkeit, die nach Momenten greift. Ihr erster Schritt ist nicht den Tod eines Opfers festzustellen, aber das Aussetzen euphorischer Schübe, einer treibenden Lebensenergie, die niemals mehr aus dem Koma erwachsen kann, da eine Betäubung des Ekels gegenüber den inneren Unstimmigkeiten keine Chance für die Überwindung des Schmerzes lässt.
Die Details züchten Ängste aufgrund reger Vorstellungskraft, die einen Sog in die Dunkelheit befördern, sodass eine Perversion ihrer Bedürfnisse erfolgt. In dieser verdrehten Weltansicht verbindet sie als Individuum ihre Schreckensbilder.
Ihre Atempausen sind ruhige Momente, in denen das Gesamtwerk ihrer Vergangenheit ein intensives Stechen ist.
Keine Jagd ist für sie so erschöpfend wie die lange Jagd nach der Erkenntnis über die Entstehung aller Sinnbilder. Ihre Gesundheit des Körpers kann nicht die Qualen ihres tobenden Geistes heilen und erzeugt die Idee der Besitzergreifung. So wird sie langsam verfaulen.
Letztendlich wird der ihr Organismus aufgegeben, die organischen Verbindungen werden zersetzt und vollständig aufgelöst. In diesem komplexen System entsteht ein unangenehm riechender Prozess. Die innere Hölle frisst sich durch die Haut und zerkleinert die Lebendigkeit, sodass die innere Menschlichkeit von Insekten durchsetzt wird. Unaufhaltsam der Zerfall.
JD

Samstag, 12. Oktober 2013

Racheengel

Der kalte, weiße, nackte Boden versucht durch sie zu dringen und ihren Verstand zu übernehmen. Der Schock fesselt sie bewegungslos an ihren Stuhl.

Der Engel des Todes versucht mit dem giftigen Stachel der Unvernunft die Macht über ihren Körper zu gewinnen. In ihr wütet der Kampf vergangener Tage, die ihr alle Lebenskraft raubt. Die Haut wurde so schnell faltig, dass sie ihr Ende zeitig begriff. Die blauen Adern zeichnen ein verwirrendes Bild auf der weißen Haut, die von einer dunklen Materie gefüllt zu sein scheint. Die Verantwortung aller Taten geht in ihrem Inneren um. Nach einer Operation sitzt sie halb verblutet, ohnmächtig der Konfrontation mit der Realität auf einem Stuhl. Vorzufinden ist ein erkalteter Mensch, dessen Gefühle durch leere Impulse ersetzt wurden. Sie überlebte die letzten Stunden nur kärglich. Die Schwester des Todes, das schlechte Gewissen, heizt qualvoll ihren Stuhl und nutzt die in ihr aufkeimende Unruhe, um sie zur Rede zu stellen. Sie weiß dieser keine Antwort zu geben. Wovon sie spricht, kann sie nicht erahnen. Der rachsüchtigen Schwester des Todes kann sie nicht entkommen. Sie begreift aber die Gelegenheit, die sich nicht als Rettung erweist. Schon kurz darauf befindet sie sich eine beunruhigende Stille im Raum und schwebt als langes Schwert drohend über ihr. Die Schwester des Todes bringt als Beweisstück für Frevel der Vergangenheit eine blutverschmierte Fliese mit. Vor Jahren fand ihr Vater sie blutend auf dem Badezimmerboden. Bevor er starb, konnte er ihr nichts mehr begegnen.

Dies genügt um eine schwarze Gestalt über ihr erscheinen zu lassen, die ihre Laster in sich trägt. Während das Schwert tiefer hinabsinkt, hängt an der Decke über ihr eine schwarze große Gestalt. Sie strahlt eine dunkle und unfreundliche Energie aus, die die Betrachterin verunsichert. Sie besitzt große schwarze Flügel, die von ihrer Haut umspannt sind. Dort wird das rote Fleisch der Organe freigelegt. Sie pulsieren und arbeiten regelmäßig wie ein Uhrwerk. Die Gestalt drückt sich an die Decke und schwebt nahezu bedrohlich über ihr. In einer Position als wäre sie zum Angriff bereit, fixiert sie die Betrachterin.
Sie sitzt auf ihrem Stuhl und wird langsam nervös. Ihr rechtes Auge beginnt zu zucken und sie dreht den Kopf verschämt zur linken Seite hin. Ihren Rücken drückt sie nach hinten durch und sie presst sich mit aller Gewalt gegen das Holz. Schutz suchend krümmt sie sich und krallt ihre Hände bis die weißen Knochen durch die Haut sichtbar sind.

Das Wesen besitzt ein schwarzes dichtes Fell, das glänzt. Der Kopf ist von einer dichten und lockigen Haarmasse umrahmt. Die ungeteilte Aufmerksamkeit des Wesens reizt ihren Unterleib vom Stuhl und drückt die Wirbelsäule bogenförmig durch. Auch krümmt sich die Gestalt zu ihr hin und berührt mit den Händen die Fersen. Ihre Verbundenheit ist ein bizarrer Anblick.

In jenem Augenblick kann beobachtet werden, dass die Frau so schön, reif und weiblich wie nie zuvor erstrahlt. Ein intensives Gefühl der Erlösung hat auf diese Entwicklung großen Einfluss.
Das der intensivste Schmerz in ihrem Leben mehr zu ihr gehört als das Erlebte verursacht keine große Angst. Sie vertraut darauf, dass ihr Körper sie freigibt, wenn sie den Schmerz nicht mehr aushalten kann. Er schützt sie und führt sie sicher zu der Gestalt hin, die eine notwendige Geborgenheit vermittelt.

Signalisiert wird eine überkommende bestimmte Harmonie. Gleich einer Geburt werden Hormone ausgeschüttet und eine Verbindung zwischen dem Gehirn und Nervenzellen hergestellt, sodass der Körper ständig mit Informationen darüber versorgt wird. In dieser Harmonie wird der Austritt ihres Geistes eingeleitet. Verstärkt schüttet ihr Körper Hormone durch Kontraktionen ähnlich Geburtswehen aus.

Ihr Körper überhitzt und sorgt dafür, dass die Produktion körpereigenem Betäubungsmittel einsetzt. Der Schmerz setzt in Pausen aus, sodass er für sie erträglich bleibt. Nun beginnt die Öffnungsphase, eine Art Bewusstseinserweiterung, in der ihr Geist von innen ihre Haut dehnt und sie aufreizt.

Die Grenzen decken ungeahnte Fähigkeiten auf. Der schaurige Engel versucht sie in der Luft zu spüren, um ihren Dämon in die Gewalt zu bekommen.

Die enorme Belastung dieser Arbeit führt aber nun zu einer chronischen Angst, im Fluss unfassbarer Schuldgefühle. So unternimmt ihr Geist schlafwandlerisch den Versuch sich aufzurichten, bei dem ihm die gefiederte Gestalt anleitet, der nicht zuletzt ihre Schuldgefühle symbolisiert. Das Böse erblüht, was deutlich im wachsendem Kontrollverlust des fragilen Verschmelzens widerspiegelt wird. Viel der Abscheu spürt sie. Der grausame Tyrann setzt zu einem Flug hinab an.

Ihre Furcht wird durch die perfide dunkle Energie genährt, die sich in einer impulsartigen Überforderung entlädt. Kannibalische Triebe scheinen das schwarze Wesen sein Abendessen erspüren zu lassen. Die omnipräsente Furcht wirkt episodenhaft. Die Sünde eines Menschen wurde ein schauriger Engel. Anschwellend prägt Todesangst die Szenerie und liefert ein verstörendes Bild, getarnt als beiläufigen Moment. Die säuberliche Trennung der Haut am Bauch setzt das Ende in Gang.
Gerechtigkeit verließ schon lange vor der Hinrichtung das Zimmer.

JD

Freitag, 11. Oktober 2013

Innere Dämonen

Reizende Zähne schieben das rote Fleisch in die Kiefer
fest gepackt drückt das Stück in ihn hinab
anvisiert mit blauem starrem Blick, kühlt´s sein Gewissen
läuft die Spur der Vernichtung an ihm hinab
krampft das Bein durch die gesäuerten Muskel

Liegt der kühl werdende Körper im Moos gebetet
an die Seite gestellt ein Geflecht feuchten Gras
ist sauber das Ersuchte scharf herausgetrennt,
verbleibt der Schmerz als Schrei in dunkler Nacht,
quält der Anblick den Wissenden über die Tat

Das nasse Grab nimmt ihn tief hinab in die Erde,
ist die Stille des Waldes der Begleiter in die Finsternis
hinaufgehoben, auf die nackten Äste aufgeschoben
wacht wie ein Engel das verwesende Fleisch
fällt der Geist hinab zum Grab, als Ungläubiger.

Ist das verunstaltete Wesen der Bevollmächtigte
im tobenden Sturm vom Wasser gepeitscht,
bricht Unruhe über ihn herein die Quelle.
Übernatürlich Böses kommt in jeder Art,
fähig ein Schlüssel im Rätsel zu sein.

Schaut die Vergangenheit als Bild getarnt
wird lange er der Abgrund sein und blickt
sein Wissen bleibt begrenzt ohne Phantasie
die Absurdität des Verhaltens in Anteilen erfasst
die Imitation besitzt ihn, ist sein Selbstbild

Er sieht sich selbst auf eine Rolle beschränkt
vergisst seinen Spiegel, den er nicht sehen kann.
Im Sturm singen nach und nach die Vögel.
Schmerz hat kein guter Mensch ohne Leiden,
jetzt bringt kein Mensch Ehre Heim

Die Unvernünftigkeit einer Sache, ein Argument
gegen seine Existenz ist sie die Voraussetzung.
Nichts ist gewöhnlicher als der Wunsch nach Selbstständigkeit!
So unwahrscheinlich die Wahrheit sein mag, bitter sind die Untaten.

JD

Samstag, 5. Oktober 2013

Haltlos

Weiß ist die Erhabenheit auf eine Stufe gestellt,
während dort Schwarz zerlaufene Trauer ist.
Eine Spur voller Beklommenheit zerrinnt weiter
glatt und rein über eine weiße perfekte Kugelform,
nichts trennt die Vergangenheit in viele Teile auf.

Ein geheimer Traum stellt ein Denkmal aufrecht.
Tränen sagen leise im Leben ist es schwer brutal,
wird jemand glücklich sein und so weitergehen
Aufmerksamkeit wird ihnen innen schwer weh tun,
kann erahnt werden, wie manch ein Mensch litt

Klar, das viel kaputt geht in dieser verdorbenen Welt,
fair ist kein Weg durch großen Schutt vieler Berge,
gefesselt an das schöne Glück vergangener Tage
bittend ruft lang der sehnende Blick nach ihnen
nichts hat gereicht, das Leben geht schmerzhaft vorbei

Gefesselt durch das Urteil der langen Lebensjahre.
Über einer blutigen Maske liegt die Wahrheit verborgen
der Körper ist in die Federn vom eisernen Gestell gepresst,
wird dort der Arm vom Instrument des Zwangs ganz taub
kein Applaus, sondern im Rausch kommender Tränenfluten

So viele Triebe überkommen das Tier im Menschen.
Licht bringt keine Sonne, sondern die Sehnsucht herbei.
Hoffnung an den Himmel gezerrt, verbirgt keine Einsamkeit.
Die schönsten Flüge sind frei im Wind ohne Menschheit.
Wer hat seinen Geist vertrieben am Abgrund der Zeit?

Hinter vergitterten Augen ist der Schmerz versperrt,
zieht die Lunge die Luft dicht drängender Wände,
liegt in ihrer Mitte gekrümmt die seelische Gestalt,
kümmerlich versunken in einen gebildeten Kreis,
zerbrochen an Ungerechtigkeit der hiesigen Welt.

Entgleitet die eigene Macht auf fremde Anweisung,
kann keine Handlung über dieses Schicksal gebieten.
Wird das Fleisch rot von peitschenden harten Schlägen,
beschämend die ausführende Hand, sicher Stehender.
Jetzt spricht sich nun die Seele vom Verstand frei.

In die Länge gestreckt erträgt das Unglück die Zeit,
kommt kein Retter, aber ein Begleiter für den Weg.
Drückt sich eine geöffnete Tür auf und fällt ins Schloss,
wird Rot über weiße Wände gewaschen wie Blut,
ist der Boden reiner als die Untat der Vergangenheit.

JD

Im Dunkeln bleiben

Wenn der Herbst beginnt, drehen sich alle seine Gedanken im Kreis. Er bleibt stehen und geht nicht weiter. Die Angst um seine Schuld macht ihm zum Kind. In der Dunkelheit schweigt der Wind. Er ist heute ohne Begleiter.
Als sich die Türen von einem gewaltigen Windstoß öffnen, kann in seinem Blick die Hoffnung gelesen werden. Erstaunt öffnet er seinen Mund und das Lächeln gleicht einem aufgehenden Vorhang. Wenn der Atmen schneller geht als das Herz schlägt, spannt er seine Arme an. Er spürt die Kälte auf seiner Haut. Aber nicht die des Windes, stattdessen die in seinem schwarzen Inneren. In seinem Ohren schrillt ein heller scharfer Ton und quält ihn. Denn er drückt die Hände mit aller Kraft auf seine Ohren. Flach und fest, aber ohne Abhilfe zu verschaffen. Die Augen treten glasig aus den Augenhöhlen, kurz bevor er sie vor Qualen zusammenkneift. Die Bänder und Sehnen in seinem Inneren bündeln gewaltige Kräfte.
Der schrille Ton wie ein Pfeiffen steht im Raum und hält die Zeit an. Alles wird gelb und dann weiß. Es blendet und färbt die Dunkelheit vor den Augen orange und blau. Verloren in der Fläche, bleibt er angewurzelt stehen. Nur den Rücken krümmt er, sodass seine Schultern nach unten gezogen werden. Ein Moment ohne Panik. Sein Körper scheint für ihn in die Luft gehoben zu werden und über dem Holzfussboden zu schweben. Unten wird zu oben und die Gegenstände um ihn herum sind nicht mehr an ihrer alten Position. Im gleichen Abstand stehen sie zu einander. Keine Chance einer Berührung ist sichtbar.
In dieser Position erlangt ihn die Erkenntnis, dass die Bedeutung nicht in der vorgegebenen Ordnung liegt. Die Reihung und Postion kann zu einem besseren als auch schlechteren Ausgangspunkt führen. Ist aber bedeutungsvoller als im Chaos zu stehen. Jetzt zittert vor Trübsal sein Mund und über ihn scheint ein mit Druck gefüllter Ballon zu schweben. So gefährlich wie ein Zeppelin, der mit Gas gefüllt ist. Er könnte jederzeit durch das brennende Netz des Gemarterten explodieren. Umfangen von glühend heißen Draht, brennt das Netz ein Muster in seine Haut. Ein Brandmal, dass ihn umhüllt. Da wird der Schmerz zur Erlösung, denn er entfernt die Reste seines Selbst aus diesem Leben. Wieso war er hier derart lange gefangen? Nichts war bei ihm. Jetzt ist kein Platz mehr für zwei. Alles ist fort und vorbei. Wie sollte es verstanden werden? Niemand wird ihn mehr begegnen, denn er hört kein Pfeifen mehr. Nie wieder. Der Wind kam immer und nie zu schnell. Jetzt oder nie. Der heutige Tag kam und er weiß rein äußerlich ist er ein ganz normaler Tag. Doch heute verliert er sein Glück. Kein zurück mehr, für das Wir in dieser Welt. All seine Schritte an jenem Tag waren langsamer und kürzer. So glaubte er an diesem Tag noch einen längeren Weg zurücklegen zu können. Welch ein Irrtum.
Der Druck steigt weiter und seine innere Dunkelheit kämpft tapfer weiter. Der Fluss vor dem Haus tritt über. Ein großer Schritt und erstaunlich kreativ. Genau heute, nicht irgendwann stirbt er an seinem inneren Loch. In der Stille sagt er Ade. Ein Orgelspiel klingt von weiter her. In der kleinen Pause verliert er sein Herz. Einsam kennt er nun keine Hoffnung mehr. Vorbei, er kann nichts mehr verstehen, nichts kann er mehr sehen. Er liebt den Wind. Er kommt, um ihn zu holen. Es gibt kein Spiel, jetzt ist es soweit. Kein Punkt bildet in ihm ein Ziel. Er ist gefangen, aber nicht in einer Kiste, sondern in einer weiten Leere. Sie ist schlimmer, denn dort verliert sich der Geist in einzelne Teile. Die Dinge können nicht mehr zusammenfinden. Kein Einzelteil haftet am jeweils anderem. Ein solches Schicksal ist bitterböse.
Keine Tränen, kein Schrei kommt vom Gemarterten, denn er hat es erkannt. Seine Arme fallen zu beiden Seiten herab, der Kopf hebt sich und sein Blick geht in den Garten hinaus. Das offene Fenster bestätigt, er ist allein. Unrealistisch erfolgt kein Abschied. Der Druck von oben presst sich gegen seine Leere. Ganz laut knirscht sein Kopf, aber ohne Herz verlangt er keine Gnade mehr.
Plötzlich ereignet sich nicht der erwartete Knall, sondern das schwarze Loch in ihm absorbiert die drückende Last. Er ist verwundert und ruft, ich bin nicht richtig ausgeglichen. Aber die Leute gehen an seinem Haus vorbei.
Wiedererwarten erscheint der Wind und bringt Licht in seine Welt. Die Gefühle hat er verloren, wie schön, dass der Wind für ihn an die Wände drückt. Sie bersten in große Stück, so erfolgte es auch mit seiner Seele. Seine Haut spürt den Wind und er sieht das Licht der Sterne. Ihm wird gewiss, das Wichtigste in ihm fehlt. Seine Seele war nie am Leben. Er kann nicht mehr tief durchatmen. Das ist aber nötig, um aufzunehmen, was alles in der Welt passiert. Durch die Enttäuschung schwärzt die dunkle Leere seinen kraftlosen Körper. Er wird die Nacht. Wer weiß von seinem Überlebenskampf, seiner Lebenszeit? Nun, er ist ein Teil der Welt, nicht die Welt Teil von ihm. In der Nacht wird sein Frieden offenbart, jenseits der Vorstellung kann er entdeckt werden. Nach Tagen finden Tiere fast all seine Knochen, an dem Tag jagen sie keine Beute. Sein Kampf ist noch an seinem Todesort verhaftet, das spürt selbst ein Tier.

JD

Samstag, 28. September 2013

Das Ende in der Nacht

Die Worte als Verführung erreichen ihr Ziel.
Sie waren ein Zwischenspiel der Liebe,
sicher ist vorbei und zerstört mit Qualen.
Sie sind die Erkenntnis, munter die Sehnsucht
nun sind sie vorbei, mit Tränen gespickt

Verbleibt sie einsam, das Spiel ist aus, es rauscht
Es ist soweit, sie geht nach Haus und geht dahin
kein Fragen mehr, sie als Vertriebene
die Antwort wird sterben, denn sie geht mit ihr
zerschlägt die Vergangenheit, wohin der Regen mit ihr rinnt

dachten sie wären zusammen eins
wozu noch flehen, im Regen geht sie nicht mehr weiter
schlägt ihr Lächeln böse in ihr Gesicht mit Angst
sie hatte ihr den Kopf verdreht, die Gefühle drehten sich im Kreis
sie wollten zusammenbleiben, ein Stück vielleicht

doch es hat nicht gereicht für ein Weiter
sie sagte es geht nicht, schuldig durch die Angst
das Leben rauscht sonst vorbei, wenn es dunkel wird
sie wollte endlich frei sein, damit ihr Wind schweigt
sie fiel über sie, wie der Regen als Begleiter

sie hatte nun eine Maske, kalt und schwarz
sie schoss auf sie in Trauer und Wut
sie traf und der Schuss war tödlich ohne Zweifel
alles war damit gesagt, aber nicht der Schmerz

Der Abend steht ihr böse zu Gesicht

JD

Freitag, 27. September 2013

Abschalten Teil 1 Die Bande

Der Schlag der Zeit hielt sie niedergestreckt. Sie blickte noch lange mit gesenktem Kopf in den fast leeren Raum. In ihr brodelte die Revolution. Das Licht war so gelb, dass im Zimmer alles noch verdreckter wirkte. Die Gegenstände lagen durcheinander und ohne System umher. Die Geräusche um sie herum waren für sie nur noch dumpfe Töne in einem Klangchaos.
Von der Außenwelt getrennt, lebte sie mit ihren Geschwistern in einem kleinen Haus am Rande der Stadt, gegenüber eines Waldes. Das abgelegene Grundstück war groß und voller verwildeter Blumen- und Kräuterbeete. Die Wege waren flach ausgetreten. Alles wurde von Baumkronen überschattet, die einen finsteren Eindruck erzeugten. Die Leute der Nachbarschaft liefen schnell und gebeugt an dem unheilvollen Haus vorbei.
Die Eltern waren Teil der Stadt und verwachsen mit ihrem Besitz. Deutlich markierte eine große umlaufende Mauer das Anwesen. Sie erschien großzügiger bemessen als die Notwenigkeit es geboten hätte.
Die Elternteile pflegten eine diktatorische Erziehung, in der den Kindern die Außenwelt verwehrt blieb. Sie kommunizierten in einer eigenen bizarren Sprache mit erfundenen Wörtern und andersartiger Betonung der Wortsilben. Für die Kinder lebten die Menschen in der Außenwelt als besessene Fleischhüllen. Die Eltern vermittelten ihren Kindern die Ansicht, dass alle anderen Menschen durch revolutionäres Gedankengut infiltrierte Lebensweisen nachgehen. Sie erblinden an den Freigeist, der ihnen vorgelebt wurde.
In brutal sadistischen Handlungen erprobten sie daher ihre manipulativen Fähigkeiten. Für die Kinder hatte das Verhalten nicht mit Gefühlen zu tun. Sie ertasteten ihre Umwelt mit den Zungen und versuchten Gegenstände zu schmecken. Sie kauten und schlugen in sie hinein.
Tiere hielten sie für Spielzeuge, welche sie fingen und bis zum Tod folterten. Die Tiere zitterten in ihren Händen mit denen sie das Leben nahmen. Im richtigen Moment warfen sie sich unbeobachtet vom Opfer auf sie. Am Ende der Folter warfen sie die Tiere achtlos über die Mauer, während über ihnen der friedvoll erscheinende Himmel für die Nacht dunkel wurde.
In Verletzungen empfanden die Kinder Genugtuung, wenn sie Rache übten und ihre Geschwister mit Messern verwundeten.
Die Eltern gingen regelmäßig einer eintönigen Beschäftigung in einer Behörde nach. Dort erledigten sie abgerichtet wie Hunde die Aufgaben ihres Betätigungsfeldes. Für die Kinder hingegen verweigerten sie dies, denn sie wollten, dass sie die höchste Stufe der Abrichtung erreichten, den absoluten Gehorsam. Die Eltern hatten Angst die Erziehung zu früh zu beenden, ohne das blutrünstige Tier in ihnen nach Außen gekehrt zu haben. Ungeduldig erwarteten sie die Erscheinung. Die Ankunft der Bestie in ihnen konnte in naher Zukunft bevorstehen. Ähnlich einer Geburt schien die Psyche der Kinder eine Bestie zu gebären, was das Wesen der Kinder schon immer verbarg.
Als dann wenige Tage nach dem 16. Geburtstag des ältesten Kindes ein fremder Mann auf dem Grundstück auftauchte, wurden die Kinder starr vor entsetzen und Panik bemächtigte sich ihrer. Sie stürzten sich im Affekt auf den Mann und schlugen ihre blanke Zähnen durch seine Haut. Sie rissen sein Fleisch vom Hals und bissen Stücke aus seiner Wade. Ungewöhnlich schnell floss das Blut und der Mann starb bereits nach einem röchelnden Hilfeschrei.
In der Blutlache suhlten sich grölend die Kinder vor Glücksgefühlen über den Tod des Unmenschen. Er drang in ihre Intimsphäre. Das jüngste Kind, 11 Jahre, zerriss sich die Kleidung in Streifen und beschmierte sich in Ekstase geraten mit dem Blut. Wie in einem heiligen Ritual lachte und wälzte sie über den Leichnam. Die Eltern gratulieren und lobten die Kinder für die Tötung der Schreckensge-stalt Mensch.
Nun lernte der Vater die Kinder an. Er unterrichtete sie im geräuschlosen und schnellen Töten. Auf allen Vieren streiften die Kinder mit dem Vater durch das Unterholz des Waldes und verfolgten Spaziergänger unbemerkt minutenlang. Sie imitierten die Geräusche der Tiere und schreckten mit ihrem Verhalten ihre Umwelt immer mehr ab.
Die Abgeschiedenheit sicherte ihre Lebensform.
 
JD

Sonntag, 15. September 2013

Von mir zu dir

In uns verlor sich im Abstand die Zeit,
haftete der Moment an der Zweisamkeit,
bat die Nacht um Gnade vor der Untat
sind wir ganz durch Unantastbarkeit.

Gleiten wir schnell in uns hinein,
dass wir einen Halt darin finden
und die Blicke uns aneinander binden.
Denn die Schauer über uns am Morgen,
bergen keine Augenblicke mehr.
Weckt die Kälte uns aus unseren Träumen
geht es von mir und lässt Verzweiflung folgen.
Schaue ich dir nach, sagst du nichts über den Weg.

Kenne mehr von dir aus dem Verborgenen,
besseres als in mir, trägst du fort.
Weißt nicht wie ich war, bevor wir uns hatten,
kannst mich nicht erkennen, da ich mich halbiere.

Ich bin die letzte Stunde in unserer Bindung,
frage nicht mehr nach dem zukünftigen Uns.
Lächele lange, verzeihe nicht mehr das Vergessen,
lasse dich dennoch in dem Glauben ziehen.

Rot verfärbt das Weiße im Tränenfluss,
träge werden die Hände über deine Kraft.
Du hast jetzt immer wieder andere Leute,
im Kreis blicken wir uns heimlich an.

Können uns wiederfinden, kennenlernen
und doch nicht mehr den anderen entdecken.
Sagst nichts mehr, bist nicht mehr Teil von mir
sehen wir uns, habe ich keine Fragen mehr.

Werde nicht mehr sein für dich!
Können nicht bis zur Ewigkeit verbleiben.
Ist Sehnsucht die letzte Bindung zu dir
wir sie mich doch verlassen, wie die Wärme verlässt meine Haut.

Überlege wann bin ich ohne uns?
Bin ich allein das Gewissen?
Klagt die Ungeduld,
spiegelt sich die Nacht in meinen Gesicht.
Träume vom wir.
Werden uns in einer neuen Welt wiedersehen.
Zurück komme ich nicht!
Werde für uns als erste gehen!

JD

Das Tier in ihm Teil II Der erste Morgen

Als A.J. am Morgen in der Ruine seines Hauses aufwacht, findet er sich verwandelt vor. Über ihn liegt der kalte nasse Morgentau und glänzt auf seinem nackten, steifen Körper. Sein Rücken verhärtet den Hals und er kann seinen Kopf nicht heben. Auf der Höhe seines Bauches schimmert ein hilfloser Tautropfen.

„Wo ist nur meine ungetrübte Wahrnehmung?“, denkt er. Nicht mehr im Traumland bereitet ihn das Erwachen einen heftigen Schauer der Angst. Sein Haus ist kein Haus mehr für Menschen, sondern wird durch den Brand wieder Nährboden für die Vegetation. Die ihm bekannten, allein ihm gehörenden Wände sind verkohlte Reste einer versteinerten, menschlichen Existenz.

Er liegt mit mehr Lebenskraft als Verstand auf seinem nunmehr Sperrmüllreifen Sofa. Mit Flügeln versucht ihn der beginnende Tag zu verführen. Da aber sein Lebensschicksal gerade Amok läuft, vergiftet der Umstand seiner vor Augen geführten Existenztrümmer weiterhin seine vergiftete Wahrnehmung über die Welt.

Sein Leben liegt tot in seinen verschränkten Armen. Hat er es geliebt? Ist ein Leben bewältigen, das Leben lieben. Muss man den Tag nehmen oder in den Kampf ziehen?

Er atmet die süßen Duft am Morgen, die Menge aus entzündeter Materie, vergorener Körpersäfte und seiner Vergangenheit. Sein Alltag war nie die wilde Braut, die er haben wollte. Da wird ihm mit einem heftigen Aufschlag im Bewusstsein deutlich und ihm fehlt jegliche Leidenschaft zum Sein. Nichts war wirklich authentisch. Er nicht, die verbrachten Stunden am Tag, die Menschen in seiner Nähe und weiteren Umgebung. Er verbleibt erschlafft, gelähmt, kraftlos. Ein Koma aus Gift der Notwendigkeit seiner Existenz.

Brutalität im Alltag.

Sein Atem gleicht einem Röcheln. Verbrannte Lunge. Sie zieht heftig nach Sauerstoff für den luftentleerten Raum im Inneren. Er atmet noch. Er lebt. Atmen bedeutet Zuversicht, denn er kann nicht verwerfen, was ihn ausmacht. Körper. Ein gedankenleerer Raum. Sein Verzicht macht ihn nicht aus. Aber der Verzicht auf die Gesellschaft?

Atmen und leben, als Antrieb nach Dingen zu greifen, im Tag zu ertrinken, bewusst zu inhalieren und aufzunehmen. Mehr hinunterschlucken als möglich ist. Die Luft seiner bisherigen Tage war ein Gift aus der Vergangenheit. Sein Körper ist in der kalten Morgenluft noch warm und er spürt die Kälte. Sie wird zu einer Wohltat seiner jetzigen Empfindungen. Sein Geist erwacht und die zurückliegenden Tage verlieren an Wert. Er ist wach, wird kalt. Naht der Tod? Seine Augen gleiten über die verbrannten Gegenstände und Unmengen angehäufter Konsumgüter. Es wirkt nun spärlich und drohte ihn aufzufressen.

Sein Schutzraum. Seine eingerissenen Wände. In ihnen kam er zur Ruhe, wenn der Alltag jegliche Stimulanz der Gefühle und Gedanken auffraß. In dieser Stille erfuhr er die paradoxe Situation zu entfernen, was ihn kaum in Begriff war in Besitz zu nehmen. Dort war er kein allmächtiges Wissen, das ihn umarmte. Seine Körperfunktionen verloren nie ihre Betriebsamkeit. Ein langsamer Puls, eine flache Atmung, eine unauffällige Sättigung. Wie ein Vogel, der nicht Fliegen kann. Altes Bekannte ohne eine Liebe. Niemand ergab sich mehr diesen Wahnsinn aus lähmendem Erbgut der Vergangenheit. In dieser Handlung bedarf es keiner Erinnerungen mehr, keine menschlichen Beziehungen, denn eine alltägliche Lebensform bildet einen vermeintlichen Sinn.

JD

Samstag, 7. September 2013

Teil 3: Weiß und Schwarz erzwingt Grau, Fehlbarkeit ist keine Schande

Sie lebten in einer Waldhütte in einem sehr kleinen Dorf wie in einer idealen Staatsform. Eine von ihnen erdachte Utopie. Sie wuchs mit ihrer Dreiecksbeziehung und war rein theoretisch mit dem Frühling gewachsen. Jeder einzelne von ihnen war nun ein reifer Mensch. Sie vergaßen nicht, dass sie eine Form lebten, die in mancher Kultur schon immer verankert war. Eine Familie wie ein Staat, die so alt ist wie es die Elternteile sind. Aus ihrem anfangs zügellosen Zusammensein, ohne Vernunft und Rechenschaft verloren sie sich ohne einen Grund von Gerechtigkeit, weil es keine Gesetzmäßigkeiten mehr gab, die dem Wohl aller beteiligten diente. Frei einer göttlichen Ordnung wollten sie einem Vorbild näher kommen, das von negativen Gefühlen frei war.
Es war nicht möglich über sie zu urteilen, über ihre verschiedenen Möglichkeiten ihre Liebe zu formen und zu leben. Sie handelten demokratisch, unterstellten sich einer Monarchie oder waren anarchistisch verantwortungsfrei. Sie waren immer willig und hoben hervor, dass jeder von ihnen einen Anspruch auf Gerechtigkeit und eine Funktion hatte. Mit der Freiheit im Handeln jedes einzelnen wurde das Wohl aller drei gewahrt. Denn ihr freier Wille in eine Unabhängigkeit von Leben und Wirken fester Konventionen der Gesellschaft, die eine Gemeinschaft wünscht, sollte eine kontrollierte Zweisamkeit zum Ziel haben. Die Drei aber fanden ihr Glück in der Selbstständigkeit.
In ihrem diktatorischen Zeiten siegte das Böse. In diesem Wissen erduldeten sie trotzdem die geschlagene Stunde und entschieden sich diesen Gewalttäter nicht niederzuschlagen. Jeder ihrer Schritte raubte ihre Verborgenheit und keine Tage waren mehr rechtens. Es verblieb ein mechanisierter Tagesablauf in dem das Verbrechen übrig blieb. In dieser unterlegenen Haltung fand das Vergessen statt und ihre Pflicht ein System der Sittlichkeit zu wählen, verblasste mit der Beseitigung.
Wenn sie aber mit aller Kraftanstrengung ihr Recht auf einen freien Geist wahrnahmen, stürzten sie durch ihre Notwendigkeit zu siegen, das System. Die Mauern fielen und verstreuten Ekstase in die hungrigen Körper. Der Mut kräftigte ihr Fehlverhalten, ohne Bedrängnis einzusehen. Ihre Feigheit war nun sichtbar in ihrer liebevollen Art zur Natur. Hätten sie weiter verharrt, wäre die Hölle über sie eingebrochen und ihre Schuld wäre ihr Untergang gewesen.
Widerstand zu proben war keine Klarheit, weil Möglichkeiten erkannt werden mussten. Der Versuch eine Lage anders zu bewerten, konnte einen Sturz bewirken. Wären sie alleine in Bitterkeit vergangen, hätte ihnen die Gegnerschaft einen Umsturz herbeigeführt. In der Zusammenarbeit bildete die Einigkeit nun die Verfügung, ähnlich einem passiven Widerstand.
In diesem Sinne war das Ziel, dass neue System fallen zu lassen und eine seichte Welle zu bilden. Ein Kampf bei dem nicht vor einem Blutbad zurückgeschreckt wurde, das im Inneren zerfleischt und dem Umstand ein Ende bereitete. Wie konnte alles ein angemessenes Ende finden?
Die Sabotage der Gefühle als Feierlichkeit betrieben, verhinderte den reibungslosen Ablauf. Die Opferung wurde zu ihrer Tarnung und als wohltätige Gabe der Beziehung aufgegeben. Bei genauer Betrachtung aber waren sie Notleidende, die emotional auf eine Krise zusteuerten. Die Sinnlosigkeit weiter zu betreiben, sprach nur für einen Krieg. Beständig würden sie Kriege führen.
JD

Zarter Mord

Unsere Liebe begleitet mich in die langen Nächte,
ohne meine Reue an die schwindenden Stunden
unverzeihlich für dich, gehst du nicht wieder weiter,
sodass ich mit dir in unserer Wärme verbleibe.

Unser Liebesspiel bringt mich nicht in Träumerei,
jede Nacht liegt sie neben mir und füllt heiß
sinkt mein Kopf tiefer in dich hinab, bis die Kissen
mich nicht mehr fangen und mich verschlingt die Zartheit.

Du siehst mich von oben herab, im Urteil verfangen.
Über mir stehend fällt dein Blick in meinen roten Schlund
die ganze Nacht uns umgebend, erklärst du flehentlich
wir gehören uns, im großen Raum, in unserer Zeit.

Die Fragen schweben im Raum, folgen der geraden Linie,
während du bereust, zieht ein Hauch dort entlang,
doch ich verzeihe dir nicht, deinem haltlosen Stand
es faltet mich, umschlinge die Worte, sie werden mein

Deine Liebe tötet mich im Ganzen mit dieser Klinge
und macht dich zur Übeltäterin des kommenden Chaos
wahrlich unersetzlich. Ströme, gleißend hell, kochend.
Und weil ich zur gleichen Zeit eisig begegnend beschreibe
deine Wunden heilen, meine bleiben ewiglich, innerlich
tötest du meine Unersättlichkeit, nicht meine Leidenschaft.

JD

Donnerstag, 29. August 2013

Anhaltende Stupidität

Der Kopf hängt bereits über der zu bearbeitenden Tätigkeit und zieht den Hals stramm. Er nimmt seine Kraft aus den Rücken und holt alle Reserven aus den Händen. Die Hände sind ganz wilde Dinger und lassen sich ungern kontrollieren. Ihre wilde Art ist für die berufliche Tat Teil seines Rezeptes. Das schraubt ihn in eine aufrechte Position fest. Die Ellbogen sind angewinkelt und schweben bedrohlich über der Tastatur. Die Finger als Kralle geformt, sind zum Angriff bereit. Die Knöchel treten schmerzhaft weißlich hervor und ziehen die Haut glatt. Sie macht mal wieder nicht mit, denn sie war schon immer sehr verschlafen und reißt auf.

Eine Bewegung seines rechten Armes führt zum Hochspannen seiner Mundwinkel und begradigt die wülstigen Lippen über die Vorderzähne. Die Ohren rucken am Kopf nach oben und bleiben stehen. Die Schulterblätter bekommen den Kampf mit und ziehen sich nach hinten zurück. Da gerät die Brust nach vorne und erstarrt empört. Der Hintern schiebt sich nach hinten und die Füße geben standhaft Halt.

Doch die Fahrt auf dem Bürostuhl startet unversehens.

Die Buchstaben auf seinem Computerbildschirm werden immer kleiner, Worte werden unklarer und sie verstreichen in der Ferne zu einem schwarzen Strich. Begeistert nimmt er war, das schon viel auf dem Blatt passiert ist. Die Rollen drehen sich durch den Druck des nach hinten durchgedrückten Gesäß in langsamer Fahrt weiter. Der Erstarrte weist kein großes Gewicht auf, denn er saß viele Jahre vor dem Bildschirm und da verging ihm der Appetit auf das Leben. So führt der Erstarrte in der Hoffnung auf ein überraschendes Ende die Reise ohne Murren fort. Er nimmt nun Fahrt auf.

Leider hatten seine Füße schon immer was anderes im Sinn und schleifen hinterher. So etwas macht die Sohle nicht lange mit und reibt sich daran auf. Da holpern die Füße im Trap hinter dem Erstarrten her.

Der Windhauch bläst ihm sein strähniges Haar ins Gesicht und wurschtelt es bunt durch. Das missfällt dem Erstarrten, denn es erinnert ihn an sein zu langes Haar. Er müsste es kürzen und er mochte noch nie den Gang zum Friseur. Die fragenden Blicke des Meisters und die abwertende Handweisung auf den Saloonstuhl erschwerten den Schnitt durch seine gewachsenen Tage. Abschied und Wehmut wehten durch sein Herz. Aber der Friseur ging erbarmungslos an die Mitte und schnitt in Windeseile seine veralteten Tage ab. Der Verlust des Gewichtes konnte immer mit erhobenem Haupt gemessen werden. Auf dem Weg vom Friseur zum Arbeitsplatz sank er recht schnell auf die Brust. So ist der Gang des Lebens, den kannte er nur zu gut.

Jetzt im Dahinfahren blickt er verträumt zur Seite und fixiert einen weißen Punkt am Ende eines bürohauslangen Ganges. Der graue Teppich nimmt noch einmal etwas von dem Tempo der Fahrt. Die Sicht auf einen weißen Punkt am Ende eines langen Ganges erinnert ihn alzu stark an das Licht am Ende des Tunnels. Da wird ihm unbehaglich zu Mute und er wünscht sich eine Unterbrechung der Fahrt. Wie könnte er nur die Geschwindigkeit reduzieren?

Da fällt ihm ein, die vorbeilaufenden Kollegen um Halten zu bitten und sie zu bewegen die Fahrt zu unterbrechen. Aber die Kollegen sehen nicht was zu tun ist. Da rollt der Erstarrte weiter bis ans Ende der Schicht. Unaufhaltsam brausen Kaffeemaschinenräume und Kopiergeräte an ihn vorbei, aber stellen sich generell niemanden in dem Weg. Das liegt an ihrer Neigung sich nicht zu nehmen und einfach abzugeben.

Da bleibt keine Wahl mehr und er betrachtet die Wände des Ganges an denen Bürobilder hängen. Ausgestellte Stücke von Hausfrauen Hand mit technischer Raffinese geschaffen, in den Kursen der Volkshochschule erlernt. Schön schabloniert und ordentlich nach Vorlage gearbeitet, ist man in diesen Bilder immer wieder auf der Suche nach dem Sinn. Man sucht den Fehler, denn es gibt sie bereits in großer Stückzahl. Man kann nie viel finden, denn bei der Verfolgung einer Anleitung waren sie schon immer ganz genau. Da sagen sie daheim auch stetig dem Gatten, der gähnt dann gemächlich und verabschiedet sich zum Gang in den Keller. Ihm gefällt besonders der Hang zum Farbigen und Blumigen. Alles sitzt gerade und korrekt. Zuhause. Wie bei Mutter.

Die Bilder hängen zwischen den Büros. Die arbeitenden Kollegen haben ihre Türen geöffnet und die Kollegen mit außerbürolichen Aktivitäten sind nicht da oder halten vorsichtshalber die Tür geschlossen. Das ist gut überlegt, denn vorbeifahrende Erstarrte nehmen alles im Blick und tragen es weiter. Da weiß man nie, wo es am Ende landet. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Alle kommen ins Büro zum Geld kassieren und Arbeit nicht verlieren. Sie brauchen das Gewissen und die Wunschliste. Im Büro ist jeder immer auf Zack und da werden die Gänge auch zugig vom Wind der Leute. Dem ist kein Erstarrter gewachsen. Das merkt er bereits an seinen verkrampften Muskeln, die sich nicht mehr lösen wollen. Im Rausch der fast stillstehenden Zeit bleibt er ein vorbeigehender Moment.

Da trifft ihn der Schlag. Seit langem ist es Sitte kurze Sätze zu verkünden. Er überlegt und beginnt mit Twittern. Er hofft, er könne sich nun Gehör verschaffen. Die Arbeitenden arbeiten und die außerbürolichen Aktivitäten scheinen nicht mit Twitter verbunden. Da muss der Erstarrte grübeln und weiß nicht weiter. Er gerät in die Nähe der Sekretärin und erinnert sich, die Arbeit müsse bald fertig werden.

Wie könne er nur tun, was man von ihm verlangt? Er ist erstarrt und auf weiterer Fahrt. Das Ende des Ganges kommt in deutliche Nähe und würde auch das Ende des Schicht bedeuten. Er rollt fort. Ungebremst und in voller Fahrt. Er stößt Gebete noch oben und wird jetzt erhört. Ein Schwarm Kollegen rennt ihm entgegen. Der Erstarrte vergaß, im Büro gibt es nach der Mittagsstunde eine Runde Kuchen. Das lässt ihn Hoffnung schöpfen. Dem Schwarm fliegt eine Welle Lachen vornan und erreicht das fixierte Ohr des Erstarrten. Der Schwarm jedoch dreht ab. Da brauchst ein Sturm herbei, der den Erstarrten ein ganzes Stück voranträgt. Bedrohlich näher kommt das großes weiße Licht und die Schreistube der Sekretärin.

Aus ihrem Stübchen dringt das Geschrei des herrschenden Tyrannen. Er sieht keinen Ausweg mehr und gibt jetzt alle rettenden Instanzen auf. Er rollt weiter voran.

Das schlägt Wellen der Panik durch seinen Körper und bringt ihn zum Dehydrieren. Der Flüssigkeitsverlust führt zum schluckendem Zucken des Halses und überdehnt ihn immens. Das löst die Spannung auf und bewahrt den Erstarrten vor weiterer bewegloser Pein. Vor Glück springt er in die Luft und trifft den Türrahmen mit dem Kopf, Eindrittel vor dem Ende. Das staucht ihn zusammen und schleudert ihn zurück auf den Stuhl.

Jetzt war er wieder gefangen und der Stuhl nahm die Fahrt weiter auf. Auf dem Weg wurde zurückgekehrt und der Erneuterstarrte fand sich an seinem Platz ein. Dort kamen die Buchstaben auf seinem Bildschirm wieder zu tage. Der Erneuterstarrte sieht die gewachsenen Zeile und ließt die Worte: „Das bemmmmmmmmmmmmmmmmvommmmmmmmmmmm.....“

Was kann man da noch sagen? Der Erneuterstarrte ist vom Arbeitsplatz geplagt und findet keinen Weg aus dem Haus.

JD

Lose Hoffnung

Im Zeichen der Unfassbarkeit
entsinnt mein Werden Verstand.
Erblicke ich Licht in der Tiefe!
Wo findet mich die Offenbarung?

Beschreite ich weite Wege zum Bewusstsein,
um mich der Farbigkeit zu erinnern.
Verlaufen die Wege in weite Ferne,
zu suchen der Vollkommenheit.

Wohin wird mich der Pfad führen?
Erfahre ich nur Bitterkeit?
Zur Stunde schlägt die Zeit,
da erschreckt sich mein wacher Geist!

Bin ich mein Schrecken durch Bitterkeit?
Wo bleibt die Vollkommenheit?
Ich bin der Banalität nächster Freund.
Erfreue mich der Dinge Einfachheit.

In lustiger Runde erfährt mich keiner,
da ich erhoffe der Einsamkeit.
Im Winde verschwindet das Wesen,
wendet der Kreis zur Mitte.

Drückt auf die Empfindung
erblickt mein Innerstes die Wahrheit.
In der Betrachtung erstarrt,
bildet das Vielfache ein weisendes Mehr.

So setze ich nun an und
wo mich so die Botschaft empfängt,
beklage ich mich nie mehr,
da die Offenbarung Sätze sagt.

Erhebe dich und kämpfe!
Sei ein Selbst zur Vermittlung,
so wirst du siegen über Verzweiflungstaten
und bereuen  der letzten Handlungsweise

Warten ist die letzte Hoffnung
und Tränen das Rinnsal in die Zukunft.
Schlägt die Zeit weitere Stunden an,
sitzt der Leib fest in der Gegenwart.

JD




Mittwoch, 21. August 2013

In Haft

Ich habe keine Sinne
Ich habe keine Schmerzen
Ich bin ein harter Stein
in einem Farbenmeer.

Ich habe keine sehenden Augen
Ich habe keine Wünsche
Ich bin betäubt von Ängsten
umgeben von Hoffnungsträgern.

Ich habe keinen Verstand
Ich habe keine Gefühlsräusche
Ich bin bebend,
stehe zwischen rechts und links.

Ich habe keine Scham
Ich habe kein Reueempfinden
Ich falle
von hohen Berggipfeln.

Ich habe keine Bedeutung
Ich habe keinen Ausdruck
Ich bin entschleunigt
durch die Gefangenschaft des Geistes.

JD

Kopfschmerzen

Unzählige Gedanken parken auf seinem Kopf und streben weit hinauf. Da manche Gedanken schwer sind als andere, liegen die Leichtgewichte obenauf. In seinem Kopf ist schon alles ohne Sinn und Verstand vollgestopft bis an die Decke. Überall liegt und fliegt ein Traum oder Gedanke. Das ist seine Neigung zur berstender Fülle. Die Trennung von liebgewonnenen Begleitern in mancher schweren Stunde und lustigen Runde fällt ihm nicht leicht. Müsste er das geben, was er weiß, verliert er an Masse und hat neu zu sammeln. Das Viel an Gedanken verleitet zum Schluss, es gäbe auch viel zu erzählen.

Wenn er aber gebeten wird zu berichten, gerät er in Not, denn Gedanken, Träume und Erinnerungen sind laut oder leise, farbig oder eintönig, gewichtig oder banal. Wo fängt man denn nur an zu suchen und hinzuhören? Begibt man sich auf die Suche muss man auch nach dem Weg fragen und das war ihm von Anfang an unangenehm. Das können aber die Menschen nicht sehen, denn sie hören nur seine Klagen. Die pochende Stirn, der krumme Rücken und schwere Gang machen ihn noch kleiner als er überhaupt hoch wachsen konnte. Fragende wussten keinen Rat mehr und zogen von einer Frage zur nächsten weiter. Dies verunsicherte ihn zunehmend, sodass er den Kopf wild schüttelte und die Augen zusammenpresste.

Was aber kam, war ein heißer Atem und unsicherer Wank. Nun empörten sich die Fragenden, warum der Wissende nicht antworten könne. Er wusste sich nicht zu helfen und biss verkniffen auf seine Speichel benässte Zunge. Der Speichel staute sich in seiner Mundhöhle und gab keinen Weg frei.

Er bekam Angst vor der Wortlosigkeit und versuchte ungestüm die Dämme zu brechen. Die Tat war nicht von Erfolg gekrönt und ließ ihn weiter verzweifeln. Was ihm blieb, war nur das Handeln. Da geriet er in Panik fuchtelte wild mit den Armen. Die vorbeilaufenden Menschen erschraken und gingen schnell zu einem sicheren Hafen. Was konnte er jetzt noch tun? Was bleibt, ist Warten?

Ohne Macht über seine Gedanken konnte er sie nicht zur Ordnung rufen. Er wünschte sich so sehr eine rettende Flut und schickte sich an auf seine Zunge zu beißen. Die Zunge war eine heiße Sache. Früher konnte sie alles schmecken und das Leben voll auskosten. Dann verlor sie alle Scham und gab sich ganz frei. Hatte sie dann Lust zu trotzen, blieb sie einfach liegen. Jetzt waren viele Jahre vergangen und da blieb sie aus Altersstarrsinn verdrossen ignorant.

Die Zähne jedoch wurden über die Jahre ganz scharf vom Schleifen. Sie blitzten bösartig an der Sonne. Schnell konnten sie sich in die Zunge bohren und schnitten was vom Ende ab. Jetzt löste sich die Flut und alles rauschte aus ihm raus. Er rief, es darf doch nicht alles verloren gehen, ich habe euch gebraucht. Aber die Gedanken waren schon weggefloßen und von dannen gezogen. Sie hinterließen keine bleibende Erinnerung, denn es wurde alles reingewaschen. Erschrocken über diese unerfüllte Leere begab er sich auf die Suche. Da bemerkte er ohne die Schwere könnte er leichter gehen. Er bemächtigte sich dem aufrechten Gang und bekam Halt vom Rückgrat. Die hatten sich schon lange nicht mehr getroffen. Jetzt zog der Kopf am Nacken und richtete sich gegen dem Himmel auf. Die Sonne strahlte und das unendliche Blau löste einen Reiz in ihm aus.

Er begab sich auf die Suche nach allen Farben. Jahre verbrachte er mit dem Sammeln und besuchte viele aufregende Orte. Es berauschte ihn alles zu finden, was zu sehen gab. Ohne gescheit funktionierende Zunge blieb er gedankenfrei. Nun war es an ihm Fragen zu stellen und um Antworten zu bitten. Das viel ihm weiterhin schwer, denn er konnte nicht wiedergeben, was er wissen möchte. Ein Dilemma! Da wurde es Frühling und es kamen die vielen Farben. Sie umspülten seine Welt und zogen ihn mit sich. Besonders sein Kopf lag in den Wolken. Ohne Blick für die unteren Ränge übersah er die Wege und geriet in eine Falle. Das Loch war riesig und schwarz. Ganz ohne Farbe. Ihm wurde alles genommen und er wurde eins mit dem farbenfreien Raum. Er verlor seine Farbe und verschwand im Schwarz.

JD

Donnerstag, 15. August 2013

Ein Teil der Ruine ist das Wir

Uns treibt der Hohn der Lügen durch tosende Gewässer,
in ihnen verliert sich der Verstand wellenförmig.
Sie bilden das Konstrukt loser Bindungen,
um der Leugnung ein Bett zu geben.

Wir brauchen Lügen, die uns eine Schönheit geben
und in Zartheit zum Fliegen kriegen,
sodass bewahrt wird, was wir beschlossen haben.
Etwas von mir in deinem Inneren verschlossen.

Zwischen den Menschen bildet der Atem Vergänglichkeit,
benutzt der Gegner dreist deine Verwundbarkeit.
Die Erschaffung der Verschleierung wahrer Begebenheit
eins bleibt uns allein, die Stumpfheit beim Bekriegen

Das geschieht mittels Dreistigkeit durch Triebe,
ohne Vergnügen wird die Vernunft triumphieren
als Tagträumer offenbart sich zur später Stunde
in Nächten mit Träumen verführt, die Dunkelheit.

Es sind Worte, die lose fesseln und verführen
nur in Zweisamkeit sind wir manipuliert
vor der Vergangenheit verborgen gebunden
liegt die Sicherheit in der ersehnten Vorstellung

Wir sind die Erkenntnis am Rande des Abgrundes.
Nun ist es soweit, dass wir die Bestimmung sehen!
Man bleibt zuletzt, im Inneren vergraben die Sehnsüchte
hoch oben schwebt die Illusion und geht auf in die Nacht

In stummen Schatten liegt der Ruin zurück,
an runden Tischen schmilzt das Heiligtum
auf kalten Bänken ist die Distanz, wo das wir gelöst wurde,
verlaufen die Wege und führen nie mehr zusammen.

Das Vergessen beschreibt sicher, wir sind vorbei!

JD

Das Tier in ihm Teil I Unterm Nachthimmel

Die Welt zerfällt zu Asche und sein heiserer Atem zerstäubt die Berge zu feinen Teilchen. Sie liegen über Trümmern und konstruieren eine schnell schwindende Existenz. Er kann in diesem Haus nicht mehr wohnen.

Das Haus war Zuflucht für seine Unschuld. Die neue, wage Existenz befeuert seine Lebenslust und erzieht seinen Geist neu. Er richtet seine Gedanken nicht mehr klar und geordnet aus, sondern bildet sich neu. Das verloschene Feuer glüht ihn noch heiß. Es verfing sich in seinem Inneren und spült Salven der Befriedigung in Wellen unter seiner Haut hindurch. Ohne Besitz definiert er sich neu.

Die Gesellschaft hat ihn auf den Gewissen und sich kannibalisch an ihn vergangen. Nichts lässt das vergessen. Jenseits der Moral verfällt auch das Prinzip.

Mitten in den Trümmern seiner Besitztümer verzweifelt sein Verstand und wird vom Wahnsinn verdrängt. Liebe verdreht ihm den Sinn und er verkauft seine Vernunft an die Besessenheit. Freiheit ersetzt die Zwänge der Arbeit und des Alltages. Er übertönt alle Klänge der Nacht. Hier bilden sich kein abnormes Gedankengut und keine Angst vor der Flüchtigkeit des Mitmenschlichen. Sein Ruin spricht ihn von gesellschaftlichen Pflichten frei, die ihn nicht mehr an Normen binden.

Ihn ihm tanzen Gedanken im wilden Takt und rühren alles zu Brei. Eine zerstörte Existenz im Todeswahn. Zwischen der nun luftgekühlten Asche sucht er seine Vergangenheit anzufassen. Im Griff begegnet ihm der Zerfall.

Am Ende verbleibt ihm auf den Tag zu warten, damit er ihm einen Weg weist. Krank vor Qualen des Verlustes schreit er in den Nachthimmel und sehnt sich nach Licht. Nichts leuchtet auf seinem Körper. Die Sterne sind nur ferne Funken und geben keine Richtung an. Möglicherweise ist er ein Naturereignis.

Im Rausch des Wahns nährt ihn die verbrannte Wirkungsstätte. Die Wärme des Feuers steigt noch aus der Asche empor. Der Wahn wird zur unfassbaren Gewalt für ihn. Sein Verstand rät ihm noch Abstand zu nehmen und seine Zukunft in der Vernunft zu suchen. An dieser Stelle tritt nun aber ein buntes Spiel vor seinen Augen, eine kräftiges Piepen, eine schrille Melodie, seltsame Farbenmäntel und heftiges Verlangen nach Fleisch.

Er sieht weder sich noch andere. Er wird viel und eine Alternative zum lebbaren Alltag, beginnt er sich im Wahn zu bewegen.

Die Staubwolke aus Asche lüftet einen Spalt.

JD

Sonntag, 23. Juni 2013

Frühjahrsputz


Das Liegengebliebene und Vergessene packt sie in eine Tüte, die fest verschnürt wird. Der Boden muss vom Klebrigen und Haarigen befreit werden. Die Regale erhalten ihre hochstapelnde Funktion zurück und werden wieder belegt. Staub, als fremde Materie am falschen Ort, aber richtigen Platz, wird belassen. Mit der Staubzucht hat sie schließlich auch Zeitgeschichte materialisiert.
Eifrig wienert und wirbelt sie durch den Raum. Schubladen werden zum erleichternden Denkprinzip. Beschriftend und etikettierend unternimmt sie den Versuch einen Wegweiser für die vielen Pfade zu finden. Durch eine gezielte Positionierung kann alles zur Nummer werden und in einer Struktur einen Sinn erhalten. Alle Reinigung und Planung bietet ihrem Kopf Sicherheit und ihrem Herzen Zuflucht.
Den Müll entsorgt sie fachgerecht und räumt im Herzen einen Platz frei. Die Fenster stehen offen und die Türen hebelt sie aus ihren Angeln. Im April folgt oft nach der Sonne, Wind und Regen. Da wirbelt der Wind eines Tages unerwartet durch den Raum und reißt die Schubladen raus, kippt die Regale um und pflastert den Boden mit Chaos. Verzweifelt über den grausamen Anschlag, verriegelt sie die Tür, vernagelt mit Brettern die Fenster und zimmert sich ein Versteck für das Seelenheil.
Sie belässt alles an Ort und Stelle, damit sie nichts vergisst. So glaubt sie, ihr Herz vor Qualen und Schmerzen zu behüten. Ihr Tag wird fortan dunkelgrau. Keine Horizonte und Lichtblicke duldet sie. Alle Wärme von außen verbleibt vor dem Schutzraum. Loderndes Feuer, tödliche Angst, stürmische Wut, mitreißende Freude und wildes Tanzen löst sich in ihrer Seelenwüste auf. Der Raum verliert an Fülle und das graue Einerlei erhält immerfort Einzug in ihrem inneren Bewegungsfeld.
Alles eintönig und ein einziger Brei! Essen, Trinken, Schlafen verschwinden zum Ganzen. Im Spiegel wird ihr Angesicht zur Glätte und vergraut immer mehr. Was bleibt, ist Zeit.
Die Zeit ist ein fleißiger Arbeiter und regelt den Schichtplan. Sie teilt alles in Lebensabschnitte ein und vergütet die getane Arbeit mit respektierlichem Gehalt. Da sieht die Zeit aber irgendwann, dass ihr ein fleißiges Bienchen abhanden gekommen ist. Sie fliegt und sammelt nicht den Honig ein. Da schmiedet die Zeit von Ärger geplagt einen schändlichen Plan. Sie streicht alle gesammelten Treuepunkte und vergisst ihren freien Tag.
Da sprach sie zur Zeit, das könne aber nicht sein! Wo bliebe da noch die Gerechtigkeit. Blut kocht in ihr hoch und mit Galle spritzt sie die Zeit von oben bis unten voll. Ihre verblasste Haut färbt sich wieder lebensnah und untermalt ihren Spruch. Plötzlich sagt sie alles mit Farbe und schmeckt das bunte Leben in einer rasenden Flut. In Wellen umspült sie der Regen mit einem Guss, die Wut erhebt den Dolch und schneidet ihr ins Fleisch, der Wind trägt ihre Sorgen fort und die Sonne flutet ihr Herz.
Sie gerät in einem Wirbel und wird unachtsam, sodass die Zeit ihr einen Deal vorschlägt. Um ihr Gesicht zu wahren, will sie gütig wirken. Vor böser Nachrede graut es ihr immer sehr. Gewitzt nutzt die Zeit die Stunde, dass liegt in ihrer Macht und umgeht den Dienstplan. Sie schlägt einen Tausch vor und bietet ihr an, was vom Grau zu nehmen. Schmeichelnd erzählt sie von besseren Jahren und wirbt mit Gratis Lebensglück. Sie müsse nur mit der Zeit Karten spielen.
Oh, da gerät sie doch schnell ins Grübeln. Spielen entspricht nicht ihrer Natur. Viel Riskieren birgt große Gefahr. Sie fragt nach dem Einsatz und erhält die Antwort: „Einen Strich durch wahllos viele Lebensjahre.“.
Ihre Seele gerät unter Spannung und dehnt sich in alle Richtungen. An ihr zieht und zerrt es, bis sie zerreißt.
Zurück bleibt das Grau. Zu Grau passen eigentlich alle Farben.

JD

Samstag, 22. Juni 2013

Triumph verhallt


Die Wahrheit kann nicht bezwingen
Die Menschen brauchen keine Vollkommenheit,
sodass sie durch Universen geführt werden
und dem Leben einen Platz anbieten.
Die Unvernunft besiegen
und im ruhigen Strom tauchen,
der vor Stumpfsinn schützt
und Schmerzen nicht in Gründe stürzt,
weil sie in Qualen gewogen werden

Im Kern die Wahrhaftigkeit geborgen
werden Lügen zum gegnerischen Schwert
und der Wahnsinn, der Heiligtümer präsentiert,
um in Tarnung das Haupt senkt.
Im Reich von Tyrannen beherrscht,
die sich heimlich selbst bekrönen,
um die Menschen mit ihren schrillen Tönen zu verletzten.
Die Retter wollen erhalten,
was die Menschen nicht zu wünschen erhoffen

Unantastbar steht sie nicht als Siegerin
umgeben von tiefen schwarzen Schluchten
wird sie schön in der Stellung,
aber zerreißt den Willen der Menschen
hinterlässt Trümmerfelder der Seele
übernimmt den Weg in die Dunkelheit
zieht sie alle mit hinein
überhöht in weichen Formen das Licht,
denn Wahrheit ist ein vergangener Stern.

So können Menschen nur wünschen zu ihm zu fliegen.

JD

Samstag, 15. Juni 2013

Mir gegenüber


In dem entstellten Habitus erkenne ich
das Wesen meiner Seele!
Ohne Bedeutung besaß mich die Neutralität.
Frei von Bestandteilen ist nichts echt,
gewinnt dieser Emporkömmling meine Zuneigung,
gewachsen aus meiner Vergangenheit als unbekanntes Geschlecht.

Ich ergab mich der Bedeutungslosigkeit,
da niemand meinen wahren Namen kennt.
Die Dinge verlassenen meine Inbesitznahme
in der Vorbereitung vollende ich
die Entwicklung meines Selbst

Das unbekannte Wesen an der Seite
stößt es mit Recht meine Scheußlichkeit fort.
Da beginne ich das Wachstum zur übergroßen Gestalt
und werde ein erkennbares Geschlecht

Ich erteile die Erlaubnis für die Rechtschaffenheit,
lasse den Propheten meine Strecke erwählen,
das es kein Spiel mehr von mir gibt
und ich die jetzige Fahrt werde

In tausend Teile gebrochen, habe ich mehr!
Ein haltendes Gefäß vollgefloßen mit Berichten
und noch beachtlich gefestigt, nicht mehr menschlich
habe ich so viele Sprünge in der Festung.
Ich bin die Friedenszone meiner tosenden Stürme
und biete meine Liebe den Winden an

Im Rhythmus der Zeit schwirren nun die Gedanken.
Bilde ich Staaten bewaffneter Soldaten
im geschlossenen System liegt die Magie
Kaiserin über die Ungeheuer zu werden.
Doch bleibe ich desolat!

In den Verläufen der Festung bin ich die Führung

Willst du meine Begleitung sein?
Das pochende Herz.

Ich bin nicht die Schreckensgestalt
Nicht die Untertannin, nicht ihre Gebieterin
Ich suche einen Begleiter als Weisender
Willst du bei mir sein?

JD

Der Mann als Wirbelsturm


Sein Blick ist immer auf den Boden geheftet. Für ihn stellt er einen sicheren Halt dar, den er dringend braucht. Am liebsten verfolgt er in der Nähe des Hauses seiner Mutter die Pfade des Waldes. Das Haus steht wenige Meter hinter dem Ausgangsschild der Stadt und die Straße, an der es steht, ist wenig befahren. Sein Zimmer geht dorthin hinaus, denn das Haus steht an einem Hang. Er liebt den ungehinderten Blick auf den Boden. Dort wo er lebt, kann er nicht schwanken und bleibt unverändert.
Am Rande der Stadt dringt er in die Dunkelheit des Waldes ein und geht bis zum Schlund hinein.
In der Sonne verborgen, entstehen flimmernde Schwaden über dem erhitzten Boden. Er glüht wie er. Seine Gedanken sind noch ganz warm und vom Heraumfliegen erhitzt. Sein leerer Blick fährt den sicheren Halt ab. Jetzt, in der Hitze des Tages, überkommt ihm die Leidenschaft und er springt aus seiner Zimmertür in den Flur. Durch die Haustür ausgetreten, überkommt ihn erdrückende Hitze. Die Hitze ist sein Rückzugsort. Nicht viele Wege dringen zu ihm vor. Nachdem er seine anfängliche Scheu vor dem Druck der Welt überwunden hat, freundet er sich schnell mit der Schwere dieses Tages an.
Heute will er sich mit dem Sommer anfreunden und seine Stunden damit verbringen seine geliebten Wegplatten abzulaufen, zu rauchen und zu trinken.
Der Einfluss dieses langen Weges verändert merklich sein Verhalten. Von einem zum anderen Stein erhöht sich seine innere Spannung.
Auf der Treppe zu den Betonplatten der Einfahrt bemächtigt Euphorie seine Stimmung. Bis zum Anschlag bläht sich sein Innerstes auf und ist mit explosiver Freude gefüllt. In diesem Sommer sind die Tage unbeschwert. Jede Stunde nimmt ein abruptes Ende, denn er kann seine Gedanken nicht zur Ruhe bekommen. Sie schwirren laut in seinem Kopf und tragen ihn seinen Weg entlang. Im Sturm saust er die Treppen zum Bürgersteig hinunter und springt auf den Beginn einer langen Reise. Sein Körper wendet sich nach links, vorbei an der riesigen Straßenlaterne. Vorbei an den zurückgelegenen Häusern der Nachbarn. An ihren Begrenzungen aus Grün. Ihr Eigentum ist sicher und gerade abgetrennt. Rechts verlaufen ein Steifen ungepflegtes Grün und der dampfende Asphalt.
Von oben brennt die Sonne seine Euphorie nieder. Zu jeder Zeit, wenn er die Gewalt des Lebens auf seiner Haut spürt, flüchtet er zum Waldrand. Er nimmt nicht die ausgetretenen Pfade der Hundebesitzer und der Jäger. Er überquert auch nicht geebnete Wege zur Bewirtschaftung der Felder, sondern er wählt die entlegenen, schlecht passierbaren Feldränder.
Bricht er auf, sind die Menschen zu erschöpft zum Stemmen des Tages. Sie dösen in der Mittagshitze und vergessen ihren Antrieb. Allein bewerkstelligt er seinen vorgelegten Weg. Sein Schritt nimmt viel seiner Unbeschwertheit. Er ist ein einsamer Mann, der die Ruhe sucht. Überraschungen befremden ihn. Seine einsamen Stunden sind seine heilende Zeit. Die Hitze schlägt sich langsam in seiner Kraft nieder und stellt ihn vor eine Herausforderung. Er muss weitergehen und seinen Weg finden.
Am Rande des Feldes stolpert er über riesige, glatte Steine und kleine spitze Kanten bohren sich durch die dünne Sohle seiner Turnschuhe. Die lange Stoffhose reißt an den dornigen Sträuchern auf und das lange Hemd legt sich flach auf seine Brust. Der Atem geht ihm schwer und seine Stirn legt sich in Falten. Der Mund steht offen, um seine Lugen besser zu versorgen.
Den Waldrand fest im Blick nähert er sich unaufhörlich seinem Ziel. Die Geräusche des Lebens schwinden langsam und er nimmt nur noch seinen Atem war. Langsam sieht sich sein Körper in der Pflicht die berauschte Hülle zu kühlen. Der Schweiß dringt aus den Poren und legt sich als Mantel auf seine Haut. Er wischt sich die Nässe von der Stirn.
Sein Rücken fühlt sich im Bereich des Nackens wie von Metallösen durchbohrt an und im Bereich des Unterleibes von Schnüren umfangen. Als würde er von der Sonne aufgehängt und gegen den Himmel gezogen werden. Er traut sich dagegen anzukämpfen und seine Beine hochzunehmen. In den letzten Metern wird er von seiner Willensstärke mitgenommen. Sein sämtliches Körpergewicht hievt er eisern mit jedem Schritt in die Luft und bei jedem Beugen der Knie stemmt er den schwerer fallenden Körper der Sonne entgegen. Er bekämpft die weitere Last des Weges und löst sich von der Macht einzelner Muskeln. Schmerzhaft presst er seine Kieferknochen aufeinander und drückt gegen die Schnüre um seinen Leib, die sich auch seine Beinen bemächtigen wollen.
Er sehnt sich seit langem nach einer Ansage des Lebens. Die Fleischerharken bohren sich bereits in seine Ober- und Unterschenkel und lassen ihn kehlig aufschreien.
Er ist ein unauffälliger Mann mit Abitur in der Tasche und Bestätigung für den Antritt eines Medizinstudiums. Niemand nimmt ihn wahr und niemand befreundet sich mit ihm. Da wird sein Gang zu einer einzigartigen Körperkunst. Wie Nägel stechen die Lebenslagen durch sein Fleisch und verharken sich bis zur Bewusstlosigkeit mit seiner Aufmerksamkeit. Seine Gedanken kreisen durch die Luft und schwirren wie in einem Ritual um ihn herum. Der Weg wird zu einem symbolischen Tod und verleiht seinem Leben Ohnmacht.
Bevor er mit den Füßen vom Boden abhebt, legt sich sein Oberkörper nach vorn und zieht mit feurigem Eifer den Körper nach oben. In seinem Blick markieren sich rote Kreuze und erscheinen an Stellen an denen er viele Stunden am Wegesrand saß.
Weitere Fleischerhaken verteilen sich gleichmäßig über den Oberkörper und auf den Beinen. Langsam beginnt sein Körper mit jedem Schritt zusammenzuzucken. In den nächsten zehn Schritten kann er kaum noch die Oberhand über seine Bewegungen behalten. Die Gedanken rasen um ihn herum und bereiten seine schwersten Meter vor. Die Fleischerharken und Schnüre schnellen wie die Gedanken aus dem Nichts hervor und legen eine Richtung fest. Noch kann er weiter.
Vor seinen Augen werden die Kreuze zu vielen roten Punkten und grenzen ihn ein. Aber er kennt seinen Weg. Der Körper hat schon viele Narben. Die Schnüren und Haken ziehen an und lassen sein Gesicht vor Schmerz entgleisen. Sein Körper pumpt jetzt Adrenalin und Cortisol durch sein Fleisch. Alle Muskeln des Rückens zerren nach Innen und sein Herz setzt in Pausen aus. Das Herz schlägt so schnell, dass das Blut durch die Gefäße schießt und sie verengen.
Die Haut wird unsäglich schwer und sein Atem wird schneller und flacher. Der Körper überhitzt und er wird in diesem Moment von Gedanken durchdrungen. Unruhe und Nervosität übermannen ihn und er lächelt wie ein Bessener. Kaum wahrnehmbar bereisen körpereigene Opiate seinen Körper. Der Rausch wirbelt seinen Geist fort und nimmt die Gedanken mit.
Ohne Geist kann er nicht mehr weitergehen und die Sonne legt seinen Körper auf den Boden nieder. Aber der Geist, der fliegt weiter und wirbelt um die Welt.

JD

Sonntag, 9. Juni 2013

Lebenszeit


Sie gibt am Anfang, bis zum Ankommen
Im Geben verweilt sie bis zum Gehen
Sie gibt bis er da ist und verweilt in Starre
Und wartet auf den Moment, denn er kommt zu spät
Alles für ein gerechtes Gleichgewicht in langen Jahren

Denn die Tage müssen bunt sein
Sie müssen erkranken und gesunden
Verbrennen im lichterlohen Feuer bis in eisige Starre
mit Dunkelheit verschatten und im Licht auf ein Ziel weisen
alles für den Gleichklang in schwindenden Stunden

Die Wartezeit muss in Geduld enden
Muss gegeben werden und mit Wahrheit belohnt,
Denn die Treue zur verharrten Minute
Bringt einen um den Betrug und erhellt mit Erleichterung
Für eine gehaltene Spannung im Strom der Zeit

Denn Leben gibt Farbe und Blässe
Es macht heiter und nimmt den Frohsinn
Bringt Krankheit und lässt die Seele genesen
Mit brennendem Feuer und Eiseskälte der Jahreszeiten
Versteckt in Dunkelheit und Licht
Für die gerade Haltung und den erhobenen Kopf

In ihm fallen die Menschen, weil das Leben nichts gibt
Es beflügelt Seelen durch einen warmen Stoß
Es verlässt die Menschen, weil es versagt
Es krönt Menschenhäupter, weil einer siegen muss

Leben muss die Menschen begießen
Sie überfüllen und leeren
Muss verwüsten und die zarte Seele begrünen
Und Herzen ergänzen, zerbrechen und zusammenfügen
Im Spannungsfeld der Welt, in konstanter Geschwindigkeit gedreht
Solange die Erde weiterzieht, gibt er den Morgen, der die Menschen weckt
und die Dunkelheit, die ihre Träume auffängt

JD