Seine Herkunft war für
ihn eine Folter, die nie endete. Aber der Gemarterte wird über sie siegen und
sein Gefühl der Schande begraben. Das verrinnende Leben an seinen Händen war
nicht von ihm. Er hatte das Blut eines anderen vergossen. Er war unfähig seinen
Tyrannen unverdrossen gegenüberzustehen und brauchte die Hoffnungslosigkeit, um
seine Feigheit niederzuschlagen.
Das Blut an seinen
Händen rauschte in seine Gedanken und war von einem anderen. Er hatte es sich
angeeignet und einverleibt. Der erstochene Tyrann beutete ihn aus und alles was
der Gemarterte wusste war von seinem Vater. Der Mut, den er in seinen Gedanken
mit sich trug, war von ihm. Er war bei ihm als Dichter seiner Wege und
vernichtete seine Wut. An seinem Grabe dankte er ihn dafür. Er zerstörte mit
der Tat die Rachegelüste der Stadt und verblieb als Held in der schweigsamen
Nacht.
Er vergoss das Blut
eines anderen und brauchte keine Gier. Mit der Tat holte er Gefühle in sein
Leben zurück. In den letzten Jahren lag er oft auf der Streckbank des Tyrannen. Bis
heute konnte er noch nicht den Widerstand in sich erzwingen. Er wurde geboren
und zum Teil einer Lebenslethargie. In den einsamen Zeiten der vergangenen
Jahre tanzte er im Wald und suchte nach Ästhetik. Er fand keine Wege aus den
Gegebenheiten und wollte nicht ewig sein. Sein Schmerz fand keinen Fluchtpunkt
und verquoll ihm die Augen. Er hatte keine Sicht mehr und war blind.
Die Vögel vertrieben im
Frühling mit ihrem Gesang die bösen Gedanken und gaben ihm mit einem Tusch Kraft
für den Widerstand. Das Schicksal spielte für ihn keine schöne Symphonie. Die Angst
vor der Hölle heizte von innen seinen Lebensmut. Er beschädigte seine Zukunft und sah
mit klarem Verstand, dass er so nicht weiterkonnte. Er wollte nicht mehr Untertan
und dem Wahn des Tyrannen ausgesetzt sein. Ohne die Macht der Gegenwehr wurde
er ihm zugeteilt und erlag seinem Regiment. Im Terror der langen Tage dachte er
sich seine Zukunft aus, um Voranzuschreiten. Er verlor sich in anderen Divisionen
und tat im Erdachten seiner Seele weh. In den Nächten im Wald rief er Schlachtrufe,
die ohne Widerhall zwischen den Bäumen verschwanden.
Auch die Kräfte
fehlten ohne die Stärke anderer. Somit hatte er die Zeit vertan und konnte
nicht in die Welt der Realität wiederkehren. Ein Verräter wie er, bekennt sich
zum Glück anderer. Sie taten ihm Leid an, denn sie ließen sein Rufen durch die
Stadt verhallen. Sie ignorierten seine flehenden Worte und traten ihm dennoch gegenüber.
Ohne Kraft bat er, verlasst mich nicht.
In den einsamen Stunden
glaubte er nur an den Zweifel. Er hing sich an den Zorn, aber zauderte vor der
Tat. Die Zweifel zerrissen seine Seele und gaben ihm eine Uniform. Alles stemmte
er gegen den Zwang, in der Verzweifelung sich zügellos dem Drang einer
Teufelstat hinzugeben. Seine Seele war unbefangen und frei von Bitterkeit.
Seine heißen Tränen wuschen sie immer wieder rein. Die Zeit wurde schwerer und
bleiern und führte in die Ziellosigkeit. Keine Zwischenstufen gaben ihm den Weg
nach oben frei. Sein wachsender Widerstand war äußerst zerbrechlich und schmolz
ohne Willen im Feuer des Tyrannen wie Wachs.
Da floh er in die weit
entfernten Sphären seiner Zweifel und verlor sich in der Unfassbarkeit. Seine
Zähne zermahlten seine Zerknirschung über die Untat. Er klappte im versammelten
Kreise seiner Wegbegleiter zusammen. Die Zerrüttung durch seine Gefühle vernichtete
seine wage Existenz. Von ihm wird es keine Meisterwerke geben. Seine Zeit war
schon längst reif für ein Ende der Qualen. Kein Loch wird ihn verschlingen.
Kein Wind in die Welt treiben und ohne Einvernehmen, weiter ohne Reue bleiben. In
der dunklen Nacht züchtete er die Zweifel und nährte sich damit. Dann glaubte
er, würde es wieder Leben geben. Von der Welt ausgesperrt, stürmte er die
Schlösser der Nacht. Ungewollt flippte er aus und schaffte den Weg in dieses
Haus. Er durchquerte breite, dicht bewachsene Zonen bis hin zu endlosen
Sandwegen. Er suchte auf diesen Pfaden nach dem Meer. Denn es durstete ihn bei
der Jagd, nach dem Lauf im Starrsinn.
Er durchstreifte die
Wälder, das karge, freie Land und trieb an verlassene Strände. Eines Tages hieß
er den Tyrannen willkommen und stillte sein Verlangen nach Zerstörung. In ihm
herrschte ein flammendes Inferno. Er begann mit dem Tyrannen zu spielen und
seine Herrschaft zu besingen. Er forderte ihn auf zu kommandieren, um klar zu
sehen, welchem Sinn dieses Schicksal brachte. Er träumte fortan von der
Vernichtung des Staates des Tyrannen. In ihm begann das Feuer ewig zu brennen
und nichts konnte ihn mehr kühlen. Nun strahlte ein Licht von innen und zeigt
seine Kraft dahinter. In ihm war kein nichts. Seine Seele war ein toniger Klang
und dichtete auf das allerzärtlichste von der Vergangenheit. Seine dünne Stimme
wurde zu einem tiefen Gesang. Es gab ihm.
Dieses Gift verlieh ihm
die Gabe, um mit Freude in seinen Tagen, auch in die Nacht zu gehen. Die
Selbstbeherrschung nahm ihn mit nach Hause und zeigte ihm den Weg in die Welt.
Wer das Gift kennt und damit schläft wird den Lohn für seine Angstlosigkeit
erhalten. Keine Gnade für den Tyrannen. Im bestärkten Verlangen verhalf keine
Pause in den Schlaf. Er nahm das Gift mit Schwiegen fort.
Eines Tages im Winter
kam er einer Aufforderung des Tyrannen nach und begab sich mit ihm auf die
Fahrt in eine andere Stadt. Er sollte als Geleit mit ihm gehen. Während einer
Pause stiegen sie aus und der Tyrann rauchte seine Zigarette. Der Gemarterte
aber legte seine Hände in die dicke Schneedecke und kühlte sein Verlangen. Der
Tyrann sprach zu ihm und nannte ihn seines Gleichen. Aus der Asche drang die
Stimme seines Vaters leise an sein Ohr. Er glühte ihn heiß und er ging zum Tyrannen. Das Opfer wurde zum Henker. Er nahm das Messer, das beim Tode seines
Vaters in seinem Herzen gefror und stellte sich zum Tyrannen. Er schrie mit
einer unbändigen Wut wie ein geschlagenes Tier und schnitt mit einer
Glasscherbe in den Bauch des Tyrannen.
Dessen Augen weiteten
sich vor Schreck über den Anschlag. Er war sich seiner Macht sicher. Der Tyrann
sank zu Boden und blieb auf den kalten Asphalt liegen. Der Gemarterte setzte
sich auf eine Bank und besah seine Tat. Die Nacht war eisig kalt, aber in ihm
blieb das flammende Inferno. Er verbrannte die Vergangenheit. Das Messer wurde
zur Waffe aus seinem geschmolzenen Herzen. Er verantwortete die Tat, aber
niemand wollte ihn in Haft nehmen. Noch immer schrie er seinen Schlachtruf und
bekam keinen Widerhall. Aber das Lächeln in den Gesichtern der Bewohner seiner
Heimatstadt gaben Dankbarkeit. Er verkündete, er sei kein Menschenkind, denn er
kenne keine Reue für seine Tat.
Er befreite sich vom
Gift. Er erhielt Gnade und den Lohn seiner Angst. Da ging er in den Wald, zum
Schlaf für die Ewigkeit.
JD