Sonntag, 17. August 2014

Vergangene Delikatessen

Ihr wird ein köstlich aussehendes Stückchen Hase auf den Teller gelegt, bei der eine Beilage überflüssig erscheint. Während sie in Sequenzen auflösend nur noch in dieser Episode in Erscheinung tritt, verdichten sich die Gegenwart und ihre Vergangenheit. Eine Spannung erfüllt den Raum, sodass ein doppelter Boden entsteht, in der vergangene Handlungen gespiegelt sind. Sie verhelfen ihr zu einer Anziehungskraft, die beide Elternteile an den Esszimmertisch locken.
Sie zeugten aufgrund mangelnden Lebenszwecks und Angst vor der Zukunft Kinder, jedoch zerbrach der Traum an den Unterschieden ihrer Persönlichkeiten. Der Vater ist 53 Jahre alt, hat leicht ergrautes Haar, welches noch immer kräftig und formvollendet den Kopf bedeckt. Das Gesicht kantig mit markanter Nase und einem vollen Mund mit Zahnfleischpräsentation.
Verlockend weiten sich ihre Augen als sie von den Traumbildern erwacht. Sie sind Einblicke in Ausflüge mit ihrem Vater. Eine Jagd bei der alle Momente Opfer der Präsenz ihrer Vaters sind, ihre Verwandlung deutet geschickte Morde durch seine Hand an.
Sie entschied sich gegen ihre innere Zerrissenheit in ihr Elternhaus zurückzukehren, damit eine Konfrontation am Tatort dabei helfen könnte, ihr Trauma zu überwinden. Sie ist in gewisser Weise seine Komplizin gewesen, denn tatsächlich ist ihre Erinnerung ein Manipulateur, der die Sinne beeinflusst und im falschen Spiel Unschuld abtötet. Jegliche Konzentration ihrerseits gilt der Entschlüsselung ihres Vaters, dass tiefe Gefühle provoziert.
Ihre Beunruhigung erschwert die Arbeit ihres Gedächtnisses, dass so gut mit den erdachten Theorien der letzten Jahre vertraut ist. Ihr Vater tötete das Einzige, das ihr Treue hielt, entlarvte somit ihre Psyche und versetzte ihr einen schmerzhaften Schlag.
Sie kann nicht mehr durch Schläge in die Gegenwart gelangen, sondern durch die Spurensuche ihrer Augen auf dem Tisch mit Gebeinen wird sie wieder in das Zimmer gebracht. Ihr inneres Gespräch beweist ein manipulatives Geschick ihrer Psyche. Bleibt abzusehen, welche Intrigen sie zu einem selbstsüchtigen Handeln bewogen und ihre Unschuld zu Verderben wurde.
Ihre Psyche stachelt sie gezielt im Rachewahn an, wohingegen ihr Verstand den Versuch unternimmt die Situation nicht eskalieren zu lassen. Die Provokation gelingt, sodass sie sich zu einer ersten ungewöhnlichen Handlung verleiten lässt.
In ruhigen Passagen beißt sie mit den Zähnen in den Tisch, die Zunge streift immer wieder über das Holz und ihre Augen sind verzerrt. Das Gesicht ist eine Maske, die durch den Rachewahn gespeist ist. Der kritische Punkt zwischen allen Dreien im Raum vom Guten zum abgrundtief Bösen zeichnet ein schauriges Bild.
Sie ist dem Gefühl der Hilflosigkeit ausgesetzt, in der Umrisse der Menschen auf dem Untergrund festgehalten werden.
Der Boden wird zu einem See in dessen Mitte der Mörder bleibt. Ihr Vater der die Wahrheit verborgen hat und die Verantwortung für den Tod ihrer Unschuld nicht tragen möchte.
Die Mutter schwankt währenddessen zwischen blanken Entsetzten und ausgeprägten Schuldgefühlen.
Als sie plötzlich mit der Situation konfrontiert wird, bringt sie den Vater um und bricht fachmännisch seinen Körper entzwei.
In diesem Moment gleitet das Bild in die Schatten des Bodens über und hinterlässt das Gerippe des Hasen.
Das Opfer begann die Denkmuster ihres psychopathischen Vaters anzunehmen. Wenn man bedenkt wie verheißungsvoll das Spektakel hätte verlaufen können, ist die liebevolle Inszenierung des Grauens durch die Entwicklung einer zerstörerischen Handlung, eine Abkehr von der Vergangenheit und keinen weiteren Gedanken mehr wert.
JD
 
                                                                                     Ausflug in die Vergangenheit JD

Das Tier in ihm: Teil III. Alltagsbeschaffenheit

Er ist ein gesellschaftliches Instrument, ein Soldat, der nach Diktat handelt. Seine Führung ist ein Instrument der neuen Leistungsgesellschaft. Normenorientiert. Ein Muster nach dem Entgleisung und Eigenheit keine gut erledigte Arbeit sind. Was er leistet, ist nur die Einhaltung der Ordnung.
Er absolviert bürokratische Belange pflichtbewusst. Markiert sich mit Äußerungen als untertänig und bleibt doch niedrigsten Ranges. In diesem Sinne verläuft das übergeordnete System. Eine Landkarte, die Richtlinie eines guten Bürgers. Der Totschlag am freiem Menschen. Man bevollmächtigte ihn der Leitung eines Teams zur Aufklärung personeller Mängel im Betrieb. In der Überflut an Akten mit Opferberichten gesichtsloser Ergebener erschlagen ihn bei jeder Sichtung die beschränkten Identitäten.
Die Kollegen sind gefühllose schwarze Löcher, die sich auch zu einem Sog vereinigen. Erklärte doch einer schon, ein Student, er empfinde die Nummerierung und Eingliederung in Wertungen als moralisch. So richtet der Mensch selbst über sich. Da fragte sich A.J. welch ein Fanatismus viele junge Menschen treibt. Er äußerte sich dazu nicht und verblieb kühl starrend. Sein Berufsorden.
Er hat bereits Menschen aussortiert und es befriedigte seinen Ehrgeiz. Er wusste nie wer vor ihm erscheinen und wie die Reaktion verlaufen wird.
Hinter seinem Rücken ging die Deckung seines Teams nie auf, denn sie konnten mit behördlichen Waffen umgehen. Einzelne hatten scharfe Messer im Repertoire.
Er ist ein wahrer Untertäniger.
Integriert.
Lebt in einer Straße, in einer Kleinstadt, unter Befehlsgewalt Übergeordneter. Ein unverständlicher Personenkreis, eine Misere in der Auswege nicht vorgesehen sind.
Er beginnt jeden Morgen seine Sichtungen der Personalunterlagen, ermittelt Unzulänglichkeiten und schießt bei Verstößen betriebsinterner Normen wichtigtuerisch mit Anweisungen und Mahnungen herum.
Er sah Zusammenbrüche Ergebener, bedeutungsloser Fußsoldaten, die emotional argumentierten, mit Ausflüchten für Vergehen.
Wahrscheinlich wollten sie nicht einsehen, dass ein Verstoß nicht ungeschehen wird, aufgrund eines emotionalen Notstandes. So verliefen Ausflüchte oft. Einer hatte, was andere nicht nachvollziehen konnten und dies ergab immer Stress.
Existierten Ausflüchte, waren sie immer Opfer. Fragen führten zu Weinkrämpfen. Er konnte die Leute nicht begreifen.
Er unterlag nie Gefühlen.
Wie auch? Die Welt war ein Ordnungssystem. Er, ein Neutraler.
Soldat. Absolut.
Regungen waren nichts für ihn, denn sie sind für Männer Masken. Das ist eine Erkenntnis, die ihm bei seinem Vater auffiel. Er hat alles lesbar zur Schau getragen und so seiner Mutter Gründe zu Diskussionen gegeben.
Ab seinem 18. Lebensjahr wohnte er deswegen schon für sich allein. Kurz außerhalb der Stadt wurde sein Bedürfnis nach Isolation in dem jetzt zur Asche verbrannten Haus gestillt. Ein Vermächtnis seines Opas. Jetzt in der Aufklärungsphase seiner Lebenssituation missfallen ihm alle Erinnerungen.
Er muss ein Handelnder werden.
Er will Selbstbestimmung erlangen.
Sein Körper wird der Raum zu neuer Eroberung sein. Er erkennt die Notwendigkeit, der anheimgefallenen Krankheit, die virösen Gesellschaftsnormen zu besiegen.
Sich ihnen entgegenzusetzen.
Ihm ist nicht danach einen Opfertisch aufzustellen. Das ist nicht zentral. So kann keine Ausgliederung erfolgen , da es Unterjochung bedeutet. Die revolutionären Gedanken müssen reine, eigene Ideen sein.
Alte Mächte müssen ausgelöscht werden.
Sein Platz ist außerhalb des rohem Menschentums, an der Grenze von Hemmung und Erlösung. Aus dem Dienst auszutreten, erfordert einige ihm nicht ganz verständlichen Mittel. Sein Rücken ist noch biegsam.
Er muss sich an Waffen der Revolution bedienen.
Die Zerstörung von Konventionen löst den Kampf aus, das Urteile ausgesprochen und Strafen verhängt werden. Ist der Außenposten in kriminelle Verhältnisse gebettet?
Er will alle bekriegen.
Gnade erwartet er.
Das Soldatentum lässt es aber nicht zu.
Ungnade wird wohl das Resultat für ihn sein.

Der erste Zerstörungstag ermüdet und frustriert ihn, da der Rest seines Selbst unbestimmt ist. Er fahndet nun nach seiner Einstellung zum System.
Deutlich ist zu vermerken, dass er ein Täter mit vielen Opfern ist. Er agierte ohne Wiederworte, verwerflich ohne eine Gesinnung. Sein Bedürfnis, ein Freund ausführender Gewalt zu sein, ist ein Beweis verlorener Bestimmung.
Sein eigenes Verhör ist nicht durch einen Mord an der Vergangenheit verharmlost. Ihn kümmert nun seine Reife zum respektablen Glied in der Welt.
Ein Erkennender.
Ein Autoritätsloser.
Die Soldaten ahnen noch nichts.
Vor kurzen hatte er einen Fall zu bearbeiten. Normaler Mann mit normaler Frau, die beide ein Gedankengut teilten. Gedankenverarbeitung resultierte aus konsumierter Norm, die klare Verhältnisse zwischen ihnen schuf.
Der Mann wurde von seiner Frau betrogen und beschuldigte den Lover, da er seine Ehefrau den Verstand raube. Seine jämmerlichen Künste trafen sie nicht mehr.
Innerhalb von drei Tagen detektivischer Arbeit löste er die Rätsel um die wundersamen Ausflüge seiner Frau.
Diese Sachlage veränderte seine Betriebsamkeit, sodass ein Zugriff A.J.`s stattfinden musste.
Er konnte weder Opfer noch Täter verstehen. Alle sind doch klarer Verhaltensregeln untergeordnet. A.J. jedenfalls handelte entsprechend.
Er besuchte den Angestellten und führte mit ihm eine Unterredung zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit bzw. Wiederherstellung dieser.
Das Leben war bis hierher einfach, da es vorgeschrieben ist.

JD

Sonntag, 2. Februar 2014

Wunschwert

In Anschluss einer überragenden Resonanz ihrer vielen Charakterbilder, die Nötigung in blühender Art als Hilfestellung für ihr Selbstbild ausübten, fiel das Wissen vom Kopf in den Mund. Gefangen im Haufen aus höllischen Alpträumen und Massen orientierter Hierarchiestufen, leitete allumfassend die Beschäftigung mit diesen Facetten eine offen abgewickelte Kunstform der Selbstinszenierung ein.

Im Alter von 20 Jahren offenbahrte ihre ständige Verwirrung den Prototyp eines Mädchens, die in Versuch war über sich selbst zu verfügen. Über ihr spannte eine weiße Karte mit grauem Liniennetz und eine kurze Abfolge flacher Schluckbewegungen war die Grundlage zur Einnahme existienzieller Bedürfnisse.

Sie war die Verlängerung gut proportionierter, feiner Sinne. Symmetrisch schallten die Echos ihrer Geister in ihrem Oberkörper und vernetzen.

Beim Betrachten des ihres Raumes trat ein angenehmer Gedankentod ein. Muffiger Geruch, getränkt von Etanol, vermengt mit Liegengebliebenden, ergab lebensunwürdige Umstände.

Sie zermahlte mit ihrern Zähnen Knochen, die in einem Glas unter ihrem Bett standen, während sie abwechselnd einen Eiswürfel zerbiss. Am Singen unterbrach der Abschluss einer Bestandsaufnahme die Leerung des vollen Glases. Sie erstickte in einer lauwarmen Eintönigkeit. Eine dunkle Höhle, entschlüsselte und besetzte mit Konzentration das hängende Selbst. Ihre Aufgabe, die Erinnerungen im Nichts verenden zu lassen und die Anstrengung zu unternehmen wie ein Kind die Hälfte des Schmerzes aufzulecken anstatt zu verteilen, um einen Geschmack des Lebens herzustellen war ihr Tod. Nun konnte er Erlöser eines Zustands der Konzentraion werden, der einen Willen ausschied und zum Führer des Endes wurde.
Während eine Körperhälfte langsam versteifte, versuchte sie dorthin Stromkabel zu stecken, um bereit für die volle Hingabe und den ganzen Versuch einer Anbetung der Realität als Götzenfigur zu unternehmen. Die Verwundung als Gefühlkult unterlag wahrscheinlich der Täuschung, dass im Vergessen sein Paradoxon fand. Sie war die Sklavin der Schmerzen und besaß gleichzeitig die Kontrolle über ihr Ausmaß. Die Verhärtung ihrer einen Körperhälfte bereitete das Abtauchen in ihre Leere vor, sodass der Wahnsinn den anderen Teil massierte.
Immer mehr Reibung wurde zur Geburt der Öffnung ihrer Standhaftigkeit und fiel dem Ungeschick zum Opfer, Ordnung einzufordern. Die Angst vor einer Abwendung des Körpers beklemmte sie zu schnell. Zu vorsichtig schob sich die Angst vor die Welt, versperrte das Rauskommen, denn es drückte nach innen. Sie schlug fester zu, das Bett wurde vom Blut nass, vergrub die Suche, blähte den Wunsch nach Nähe auf, erweiterte den Druck. Im Fall begann sie zu würgen, rhythmisch gleitete aus dem Gehirn schwarze Masse, die aus dem Mund ausgetrat, über sie. Die Augen wurden unruhig und begleiteten die Schübe mit einem tränengefüllten Blick. Das Tempo änderte sich ruckartig, schloss ab und die Zunge nahm die Form einer Röhre an.

Sie wurde ein Gewirr aus Körperteilen. Auf den Weg nach Außen drückte die Röhre ruhig, punktuell.
Ihr Körper verhärtete und versuchte nach innen zu ziehen. Nach Verkrümmungen in diese Richtung entstand ein von Krämpfen begleiteter Sog. Die Halsmuskeln zerrissen fast und in der Not wurde dort die Haut zur Schlinge.

Auf diesem endlosen surrealen Trip knickten als erstes die Füße ab, rutschten mit den Beinen zum Rücken hoch und legten sich an den Kopf. Die Wirbelsäule brach, verwirbelte zu einer roten Ebene, lag flach in der Luft und gleitete ineinander bis sie darin ertrank.
JD

Samstag, 30. November 2013

Gesichtszone

Am Boden liegend ertönt ihr gutturaler Laut in Mono, eine Echospur, die Teil des Todesgesangs und im Äther ein illusionistischer Missbrauch einer verlorenen Gestalt ist. Die Bildung einer Reihe Bewegungen schleichen sich experimentell in den Überlebenskampf ein, die zum Elektrisieren des Körpers führen und den Aufbruch der Eingrenzungen durch Zuckungen der Extremitäten einleiten. In diesen Exzessen verbirgt sich eine Sanftheit bis in eine Schläfrigkeit führend, welche die menschliche Fragilität überschneidet. Die Episode einer zerrütteten Weltansicht, die in einen Leidensweg endet, der in die Manipulation des Körpers durch die Seele Erlösung erlangt.

Als Schönheit geboren ist sie im Inneren von der Welt isoliert. In Hysterie schallt ihr letzter Schrei, wie in Zorn zerrissen spukt sie Blut, da ihr Magen ein Vogelkäfig ist.

Die vergessene Urheberin dieses Stücks ist weder natürlich eine Verrückte noch irrsinniger Weise eine konventionelle Natürlichkeit. Aber die Entschlafene bleibt verfügbar im Raum, da sie die Reise im Inneren ihres Fleisches, entlang den Bahnen ihrer Sehnen und Nerven vollführt. Die Intensität der Abspaltung vom Körper steht dem Ende gegenüber. Der eigene Mord ist die dunkle Bekenntnis zu ihrer Finsternis, als Lied gespielt.

Der Mord löst Fesseln, in der Stärke des Schattens kann das Böse ihre Ängste auflösen. Da wird sie zurück in ihr Bewusstsein katapultiert, was zum ersten Mal die Beherrschung über den Körper ermöglicht und die Entgleisung unvorhergesehene Ausmaße annimmt. Sie bricht entzwei. Die Berufung ihrer Dunkelheit zur übergroßen Schreckensgestalt kann keine Gesichter mehr verbergen und im Unbehagen setzt Kontrollverlust ein.

Die Gründe ihrer Abspaltung, eine wohlklingende Leere, sind undurchsichtig, mögen aber ihrem Naturell entsprechen. Dort entsteht eine authentische Hymne, sie als Heldin, weil sie sich von der irdischer Sklaverei der Natur befreit. Sie wirft diese Autorität in einer langsamen Elektrisierung der Nervenbahnen von sich. Somit muss sie nicht eine Verteidigung leisten, die ihr Qualen zurückbringen würden.

Die solide Verbindung vom Körper und Seele wird durchtrennt, die Realität kann durch die Seele geprägt werden und verzerrt die Zeit. Der Verstand wird infiziert.

Ein statuiertes Exempel, das groß ist, weil es ein Leben birgt. Trotz der Probleme das Opfer im Haus zu sein, kompensiert ihre Euphorie die Schlacht um Harmonie, die in die Urheberin einfahren und sie adeln. Dies ist zumindest in diesem Versuch gut gelungen, da die Einsamkeit radikal ist. Sie rammt ein Messer in ihre Mundwinkel und schneidet ihre Wangen auf, solange bis das Gesicht auseinanderklafft. Das Messer ist eine heilbringende Gnade.

Ihre innere Landschaft ist so pulsierend wie der Blutstrahl und ihr Mut beinhaltet eine Kraft, die die tiefe, intime Stimmung nicht abbricht. So umschmeichelt sie ihr imaginäres Inneres als klangvolle Persönlichkeit, indem sie röchelnd spuckt. Die Szenerie schlängelt sich um sie, gleitet in ihren offenen Schlund und durchflutet ihre Bauchhöhle wie einen Raum. Sie schwingt souverän und durch ihre Nase rauscht ein atonaler Hauch, eine Klage die bassig flötet. Ein offenes Ende, dass in Zartheit gewogen wird. Das Beste in ihr ertönt.

Der hörbare Lacher ist eine irre Antwort, ein Versteckspiel einer vertrackten Natur, die im Handeln doppeldeutig ist.

Der Kampf manifestierte sich früh in ihr und berichtet, eine düstere Warnung. In dem Moment als ihre Psyche mit dem Körper verschmilzt, ist sie lediglich eine Montage. Ihre Entstellung ist die Herrlichkeit ihrer Erkenntnis.
Die Selbstzerstörung erscheint einer Liebeserklärung gleich zu kommen. Sie umschwärmt ihr Selbst und in dieser Art und Weise inszeniert sie eine neue Realität, die in einer Wahnvorstellung rätselhaft versteckt liegt. Die Desorientierung dient als Zugang, eine Motivation zum Untergang und löst die verhängnisvolle Verbindung endgültig. Ihre Leiche zerfließt mit dem austretenden Blut.

JD

Samstag, 26. Oktober 2013

Bilder aus der Vergangenheit

In den nächsten Tagen jährt sich der Tag ihrer Geburt und sie dringen wie Schüsse in ihr Bewusstsein. Als Auftakt einer episodenhaften Bebilderung der Vergangenheit lösen sie in ihrem Geist Halluzinationen aus, die ihren Appetit auf das Leben stören. Getarnt als Leichnam toter Erinnerungen erzeugt diese Verwicklung eine Schießwut, die den Einstieg für eine Abfolge schwebender Gedankenfetzen bildet. Eine Seelenqual, die ihr Geist früh professionalisierte und gleichzeitig zur Inszenierung des Gewissens ausnutzte. Hierfür ist ein emotionales Blutbad Mittel für die Präsentation. Die Ästhetik veranschaulicht serienhaft ihre Schönheit in der Denkweise eines Killers. Kein verbaler Eintritt in die Szenerie bereitet sie vor, sondern intuitiv beginnt der Prozess. Eine Schlussfolgerung bieten immer nur die Bilder im Kopf.
Dort kann auf einen Raum voller Knochen gestoßen werden, die für ihre Beklommenheit stehen. Sieben tote weibliche Skelette von Tieren des Waldes, die ineinander gelegt wurden. Eine Andeutung von reiner Nacktheit nährt den Zweifel welche Präsenz sie als Frau zu haben scheint. Die tiefgehenden Blicke in ihren Abgrund sprechen von einem animalischen Willen, der vom Zorn gezogen wird und erregt ein Ungleichgewicht, die auf ihre Gefährlichkeit aufmerksam macht. Das geschmackvolle Arrangement erscheint ähnlich einer kritischen Debatte über die Herrschaft der Situation. Kein Ton ist von Bedarf, sondern der Charme spricht die Bedrohung aus und leistet durch die Präsentation großartige Arbeit. Wie alles im Leben vermittelt die Weise des Stils das Bedürfnis. Ein beachtliches Bild hat das Vermögen sie in einen komatösen Zustand zu versetzen, den Grund für einhergehende Verantwortung sich selber gegenüber zu offenbaren und den Mord an ihre Identität insgeheim zu verdeutlichen. Überlagert wird dies durch einen Reiz, ein Zucken gottgleicher, höherer Impulse. Ein Mensch, der mit seinem Wachstum in Verbindung tritt. Der Kadaver in ihr ist überwuchert von menschlicher Grausamkeit, die nach Momenten greift. Ihr erster Schritt ist nicht den Tod eines Opfers festzustellen, aber das Aussetzen euphorischer Schübe, einer treibenden Lebensenergie, die niemals mehr aus dem Koma erwachsen kann, da eine Betäubung des Ekels gegenüber den inneren Unstimmigkeiten keine Chance für die Überwindung des Schmerzes lässt.
Die Details züchten Ängste aufgrund reger Vorstellungskraft, die einen Sog in die Dunkelheit befördern, sodass eine Perversion ihrer Bedürfnisse erfolgt. In dieser verdrehten Weltansicht verbindet sie als Individuum ihre Schreckensbilder.
Ihre Atempausen sind ruhige Momente, in denen das Gesamtwerk ihrer Vergangenheit ein intensives Stechen ist.
Keine Jagd ist für sie so erschöpfend wie die lange Jagd nach der Erkenntnis über die Entstehung aller Sinnbilder. Ihre Gesundheit des Körpers kann nicht die Qualen ihres tobenden Geistes heilen und erzeugt die Idee der Besitzergreifung. So wird sie langsam verfaulen.
Letztendlich wird der ihr Organismus aufgegeben, die organischen Verbindungen werden zersetzt und vollständig aufgelöst. In diesem komplexen System entsteht ein unangenehm riechender Prozess. Die innere Hölle frisst sich durch die Haut und zerkleinert die Lebendigkeit, sodass die innere Menschlichkeit von Insekten durchsetzt wird. Unaufhaltsam der Zerfall.
JD

Samstag, 12. Oktober 2013

Racheengel

Der kalte, weiße, nackte Boden versucht durch sie zu dringen und ihren Verstand zu übernehmen. Der Schock fesselt sie bewegungslos an ihren Stuhl.

Der Engel des Todes versucht mit dem giftigen Stachel der Unvernunft die Macht über ihren Körper zu gewinnen. In ihr wütet der Kampf vergangener Tage, die ihr alle Lebenskraft raubt. Die Haut wurde so schnell faltig, dass sie ihr Ende zeitig begriff. Die blauen Adern zeichnen ein verwirrendes Bild auf der weißen Haut, die von einer dunklen Materie gefüllt zu sein scheint. Die Verantwortung aller Taten geht in ihrem Inneren um. Nach einer Operation sitzt sie halb verblutet, ohnmächtig der Konfrontation mit der Realität auf einem Stuhl. Vorzufinden ist ein erkalteter Mensch, dessen Gefühle durch leere Impulse ersetzt wurden. Sie überlebte die letzten Stunden nur kärglich. Die Schwester des Todes, das schlechte Gewissen, heizt qualvoll ihren Stuhl und nutzt die in ihr aufkeimende Unruhe, um sie zur Rede zu stellen. Sie weiß dieser keine Antwort zu geben. Wovon sie spricht, kann sie nicht erahnen. Der rachsüchtigen Schwester des Todes kann sie nicht entkommen. Sie begreift aber die Gelegenheit, die sich nicht als Rettung erweist. Schon kurz darauf befindet sie sich eine beunruhigende Stille im Raum und schwebt als langes Schwert drohend über ihr. Die Schwester des Todes bringt als Beweisstück für Frevel der Vergangenheit eine blutverschmierte Fliese mit. Vor Jahren fand ihr Vater sie blutend auf dem Badezimmerboden. Bevor er starb, konnte er ihr nichts mehr begegnen.

Dies genügt um eine schwarze Gestalt über ihr erscheinen zu lassen, die ihre Laster in sich trägt. Während das Schwert tiefer hinabsinkt, hängt an der Decke über ihr eine schwarze große Gestalt. Sie strahlt eine dunkle und unfreundliche Energie aus, die die Betrachterin verunsichert. Sie besitzt große schwarze Flügel, die von ihrer Haut umspannt sind. Dort wird das rote Fleisch der Organe freigelegt. Sie pulsieren und arbeiten regelmäßig wie ein Uhrwerk. Die Gestalt drückt sich an die Decke und schwebt nahezu bedrohlich über ihr. In einer Position als wäre sie zum Angriff bereit, fixiert sie die Betrachterin.
Sie sitzt auf ihrem Stuhl und wird langsam nervös. Ihr rechtes Auge beginnt zu zucken und sie dreht den Kopf verschämt zur linken Seite hin. Ihren Rücken drückt sie nach hinten durch und sie presst sich mit aller Gewalt gegen das Holz. Schutz suchend krümmt sie sich und krallt ihre Hände bis die weißen Knochen durch die Haut sichtbar sind.

Das Wesen besitzt ein schwarzes dichtes Fell, das glänzt. Der Kopf ist von einer dichten und lockigen Haarmasse umrahmt. Die ungeteilte Aufmerksamkeit des Wesens reizt ihren Unterleib vom Stuhl und drückt die Wirbelsäule bogenförmig durch. Auch krümmt sich die Gestalt zu ihr hin und berührt mit den Händen die Fersen. Ihre Verbundenheit ist ein bizarrer Anblick.

In jenem Augenblick kann beobachtet werden, dass die Frau so schön, reif und weiblich wie nie zuvor erstrahlt. Ein intensives Gefühl der Erlösung hat auf diese Entwicklung großen Einfluss.
Das der intensivste Schmerz in ihrem Leben mehr zu ihr gehört als das Erlebte verursacht keine große Angst. Sie vertraut darauf, dass ihr Körper sie freigibt, wenn sie den Schmerz nicht mehr aushalten kann. Er schützt sie und führt sie sicher zu der Gestalt hin, die eine notwendige Geborgenheit vermittelt.

Signalisiert wird eine überkommende bestimmte Harmonie. Gleich einer Geburt werden Hormone ausgeschüttet und eine Verbindung zwischen dem Gehirn und Nervenzellen hergestellt, sodass der Körper ständig mit Informationen darüber versorgt wird. In dieser Harmonie wird der Austritt ihres Geistes eingeleitet. Verstärkt schüttet ihr Körper Hormone durch Kontraktionen ähnlich Geburtswehen aus.

Ihr Körper überhitzt und sorgt dafür, dass die Produktion körpereigenem Betäubungsmittel einsetzt. Der Schmerz setzt in Pausen aus, sodass er für sie erträglich bleibt. Nun beginnt die Öffnungsphase, eine Art Bewusstseinserweiterung, in der ihr Geist von innen ihre Haut dehnt und sie aufreizt.

Die Grenzen decken ungeahnte Fähigkeiten auf. Der schaurige Engel versucht sie in der Luft zu spüren, um ihren Dämon in die Gewalt zu bekommen.

Die enorme Belastung dieser Arbeit führt aber nun zu einer chronischen Angst, im Fluss unfassbarer Schuldgefühle. So unternimmt ihr Geist schlafwandlerisch den Versuch sich aufzurichten, bei dem ihm die gefiederte Gestalt anleitet, der nicht zuletzt ihre Schuldgefühle symbolisiert. Das Böse erblüht, was deutlich im wachsendem Kontrollverlust des fragilen Verschmelzens widerspiegelt wird. Viel der Abscheu spürt sie. Der grausame Tyrann setzt zu einem Flug hinab an.

Ihre Furcht wird durch die perfide dunkle Energie genährt, die sich in einer impulsartigen Überforderung entlädt. Kannibalische Triebe scheinen das schwarze Wesen sein Abendessen erspüren zu lassen. Die omnipräsente Furcht wirkt episodenhaft. Die Sünde eines Menschen wurde ein schauriger Engel. Anschwellend prägt Todesangst die Szenerie und liefert ein verstörendes Bild, getarnt als beiläufigen Moment. Die säuberliche Trennung der Haut am Bauch setzt das Ende in Gang.
Gerechtigkeit verließ schon lange vor der Hinrichtung das Zimmer.

JD

Freitag, 11. Oktober 2013

Innere Dämonen

Reizende Zähne schieben das rote Fleisch in die Kiefer
fest gepackt drückt das Stück in ihn hinab
anvisiert mit blauem starrem Blick, kühlt´s sein Gewissen
läuft die Spur der Vernichtung an ihm hinab
krampft das Bein durch die gesäuerten Muskel

Liegt der kühl werdende Körper im Moos gebetet
an die Seite gestellt ein Geflecht feuchten Gras
ist sauber das Ersuchte scharf herausgetrennt,
verbleibt der Schmerz als Schrei in dunkler Nacht,
quält der Anblick den Wissenden über die Tat

Das nasse Grab nimmt ihn tief hinab in die Erde,
ist die Stille des Waldes der Begleiter in die Finsternis
hinaufgehoben, auf die nackten Äste aufgeschoben
wacht wie ein Engel das verwesende Fleisch
fällt der Geist hinab zum Grab, als Ungläubiger.

Ist das verunstaltete Wesen der Bevollmächtigte
im tobenden Sturm vom Wasser gepeitscht,
bricht Unruhe über ihn herein die Quelle.
Übernatürlich Böses kommt in jeder Art,
fähig ein Schlüssel im Rätsel zu sein.

Schaut die Vergangenheit als Bild getarnt
wird lange er der Abgrund sein und blickt
sein Wissen bleibt begrenzt ohne Phantasie
die Absurdität des Verhaltens in Anteilen erfasst
die Imitation besitzt ihn, ist sein Selbstbild

Er sieht sich selbst auf eine Rolle beschränkt
vergisst seinen Spiegel, den er nicht sehen kann.
Im Sturm singen nach und nach die Vögel.
Schmerz hat kein guter Mensch ohne Leiden,
jetzt bringt kein Mensch Ehre Heim

Die Unvernünftigkeit einer Sache, ein Argument
gegen seine Existenz ist sie die Voraussetzung.
Nichts ist gewöhnlicher als der Wunsch nach Selbstständigkeit!
So unwahrscheinlich die Wahrheit sein mag, bitter sind die Untaten.

JD