Sonntag, 17. August 2014

Das Tier in ihm: Teil III. Alltagsbeschaffenheit

Er ist ein gesellschaftliches Instrument, ein Soldat, der nach Diktat handelt. Seine Führung ist ein Instrument der neuen Leistungsgesellschaft. Normenorientiert. Ein Muster nach dem Entgleisung und Eigenheit keine gut erledigte Arbeit sind. Was er leistet, ist nur die Einhaltung der Ordnung.
Er absolviert bürokratische Belange pflichtbewusst. Markiert sich mit Äußerungen als untertänig und bleibt doch niedrigsten Ranges. In diesem Sinne verläuft das übergeordnete System. Eine Landkarte, die Richtlinie eines guten Bürgers. Der Totschlag am freiem Menschen. Man bevollmächtigte ihn der Leitung eines Teams zur Aufklärung personeller Mängel im Betrieb. In der Überflut an Akten mit Opferberichten gesichtsloser Ergebener erschlagen ihn bei jeder Sichtung die beschränkten Identitäten.
Die Kollegen sind gefühllose schwarze Löcher, die sich auch zu einem Sog vereinigen. Erklärte doch einer schon, ein Student, er empfinde die Nummerierung und Eingliederung in Wertungen als moralisch. So richtet der Mensch selbst über sich. Da fragte sich A.J. welch ein Fanatismus viele junge Menschen treibt. Er äußerte sich dazu nicht und verblieb kühl starrend. Sein Berufsorden.
Er hat bereits Menschen aussortiert und es befriedigte seinen Ehrgeiz. Er wusste nie wer vor ihm erscheinen und wie die Reaktion verlaufen wird.
Hinter seinem Rücken ging die Deckung seines Teams nie auf, denn sie konnten mit behördlichen Waffen umgehen. Einzelne hatten scharfe Messer im Repertoire.
Er ist ein wahrer Untertäniger.
Integriert.
Lebt in einer Straße, in einer Kleinstadt, unter Befehlsgewalt Übergeordneter. Ein unverständlicher Personenkreis, eine Misere in der Auswege nicht vorgesehen sind.
Er beginnt jeden Morgen seine Sichtungen der Personalunterlagen, ermittelt Unzulänglichkeiten und schießt bei Verstößen betriebsinterner Normen wichtigtuerisch mit Anweisungen und Mahnungen herum.
Er sah Zusammenbrüche Ergebener, bedeutungsloser Fußsoldaten, die emotional argumentierten, mit Ausflüchten für Vergehen.
Wahrscheinlich wollten sie nicht einsehen, dass ein Verstoß nicht ungeschehen wird, aufgrund eines emotionalen Notstandes. So verliefen Ausflüchte oft. Einer hatte, was andere nicht nachvollziehen konnten und dies ergab immer Stress.
Existierten Ausflüchte, waren sie immer Opfer. Fragen führten zu Weinkrämpfen. Er konnte die Leute nicht begreifen.
Er unterlag nie Gefühlen.
Wie auch? Die Welt war ein Ordnungssystem. Er, ein Neutraler.
Soldat. Absolut.
Regungen waren nichts für ihn, denn sie sind für Männer Masken. Das ist eine Erkenntnis, die ihm bei seinem Vater auffiel. Er hat alles lesbar zur Schau getragen und so seiner Mutter Gründe zu Diskussionen gegeben.
Ab seinem 18. Lebensjahr wohnte er deswegen schon für sich allein. Kurz außerhalb der Stadt wurde sein Bedürfnis nach Isolation in dem jetzt zur Asche verbrannten Haus gestillt. Ein Vermächtnis seines Opas. Jetzt in der Aufklärungsphase seiner Lebenssituation missfallen ihm alle Erinnerungen.
Er muss ein Handelnder werden.
Er will Selbstbestimmung erlangen.
Sein Körper wird der Raum zu neuer Eroberung sein. Er erkennt die Notwendigkeit, der anheimgefallenen Krankheit, die virösen Gesellschaftsnormen zu besiegen.
Sich ihnen entgegenzusetzen.
Ihm ist nicht danach einen Opfertisch aufzustellen. Das ist nicht zentral. So kann keine Ausgliederung erfolgen , da es Unterjochung bedeutet. Die revolutionären Gedanken müssen reine, eigene Ideen sein.
Alte Mächte müssen ausgelöscht werden.
Sein Platz ist außerhalb des rohem Menschentums, an der Grenze von Hemmung und Erlösung. Aus dem Dienst auszutreten, erfordert einige ihm nicht ganz verständlichen Mittel. Sein Rücken ist noch biegsam.
Er muss sich an Waffen der Revolution bedienen.
Die Zerstörung von Konventionen löst den Kampf aus, das Urteile ausgesprochen und Strafen verhängt werden. Ist der Außenposten in kriminelle Verhältnisse gebettet?
Er will alle bekriegen.
Gnade erwartet er.
Das Soldatentum lässt es aber nicht zu.
Ungnade wird wohl das Resultat für ihn sein.

Der erste Zerstörungstag ermüdet und frustriert ihn, da der Rest seines Selbst unbestimmt ist. Er fahndet nun nach seiner Einstellung zum System.
Deutlich ist zu vermerken, dass er ein Täter mit vielen Opfern ist. Er agierte ohne Wiederworte, verwerflich ohne eine Gesinnung. Sein Bedürfnis, ein Freund ausführender Gewalt zu sein, ist ein Beweis verlorener Bestimmung.
Sein eigenes Verhör ist nicht durch einen Mord an der Vergangenheit verharmlost. Ihn kümmert nun seine Reife zum respektablen Glied in der Welt.
Ein Erkennender.
Ein Autoritätsloser.
Die Soldaten ahnen noch nichts.
Vor kurzen hatte er einen Fall zu bearbeiten. Normaler Mann mit normaler Frau, die beide ein Gedankengut teilten. Gedankenverarbeitung resultierte aus konsumierter Norm, die klare Verhältnisse zwischen ihnen schuf.
Der Mann wurde von seiner Frau betrogen und beschuldigte den Lover, da er seine Ehefrau den Verstand raube. Seine jämmerlichen Künste trafen sie nicht mehr.
Innerhalb von drei Tagen detektivischer Arbeit löste er die Rätsel um die wundersamen Ausflüge seiner Frau.
Diese Sachlage veränderte seine Betriebsamkeit, sodass ein Zugriff A.J.`s stattfinden musste.
Er konnte weder Opfer noch Täter verstehen. Alle sind doch klarer Verhaltensregeln untergeordnet. A.J. jedenfalls handelte entsprechend.
Er besuchte den Angestellten und führte mit ihm eine Unterredung zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit bzw. Wiederherstellung dieser.
Das Leben war bis hierher einfach, da es vorgeschrieben ist.

JD

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