Sonntag, 17. August 2014

Vergangene Delikatessen

Ihr wird ein köstlich aussehendes Stückchen Hase auf den Teller gelegt, bei der eine Beilage überflüssig erscheint. Während sie in Sequenzen auflösend nur noch in dieser Episode in Erscheinung tritt, verdichten sich die Gegenwart und ihre Vergangenheit. Eine Spannung erfüllt den Raum, sodass ein doppelter Boden entsteht, in der vergangene Handlungen gespiegelt sind. Sie verhelfen ihr zu einer Anziehungskraft, die beide Elternteile an den Esszimmertisch locken.
Sie zeugten aufgrund mangelnden Lebenszwecks und Angst vor der Zukunft Kinder, jedoch zerbrach der Traum an den Unterschieden ihrer Persönlichkeiten. Der Vater ist 53 Jahre alt, hat leicht ergrautes Haar, welches noch immer kräftig und formvollendet den Kopf bedeckt. Das Gesicht kantig mit markanter Nase und einem vollen Mund mit Zahnfleischpräsentation.
Verlockend weiten sich ihre Augen als sie von den Traumbildern erwacht. Sie sind Einblicke in Ausflüge mit ihrem Vater. Eine Jagd bei der alle Momente Opfer der Präsenz ihrer Vaters sind, ihre Verwandlung deutet geschickte Morde durch seine Hand an.
Sie entschied sich gegen ihre innere Zerrissenheit in ihr Elternhaus zurückzukehren, damit eine Konfrontation am Tatort dabei helfen könnte, ihr Trauma zu überwinden. Sie ist in gewisser Weise seine Komplizin gewesen, denn tatsächlich ist ihre Erinnerung ein Manipulateur, der die Sinne beeinflusst und im falschen Spiel Unschuld abtötet. Jegliche Konzentration ihrerseits gilt der Entschlüsselung ihres Vaters, dass tiefe Gefühle provoziert.
Ihre Beunruhigung erschwert die Arbeit ihres Gedächtnisses, dass so gut mit den erdachten Theorien der letzten Jahre vertraut ist. Ihr Vater tötete das Einzige, das ihr Treue hielt, entlarvte somit ihre Psyche und versetzte ihr einen schmerzhaften Schlag.
Sie kann nicht mehr durch Schläge in die Gegenwart gelangen, sondern durch die Spurensuche ihrer Augen auf dem Tisch mit Gebeinen wird sie wieder in das Zimmer gebracht. Ihr inneres Gespräch beweist ein manipulatives Geschick ihrer Psyche. Bleibt abzusehen, welche Intrigen sie zu einem selbstsüchtigen Handeln bewogen und ihre Unschuld zu Verderben wurde.
Ihre Psyche stachelt sie gezielt im Rachewahn an, wohingegen ihr Verstand den Versuch unternimmt die Situation nicht eskalieren zu lassen. Die Provokation gelingt, sodass sie sich zu einer ersten ungewöhnlichen Handlung verleiten lässt.
In ruhigen Passagen beißt sie mit den Zähnen in den Tisch, die Zunge streift immer wieder über das Holz und ihre Augen sind verzerrt. Das Gesicht ist eine Maske, die durch den Rachewahn gespeist ist. Der kritische Punkt zwischen allen Dreien im Raum vom Guten zum abgrundtief Bösen zeichnet ein schauriges Bild.
Sie ist dem Gefühl der Hilflosigkeit ausgesetzt, in der Umrisse der Menschen auf dem Untergrund festgehalten werden.
Der Boden wird zu einem See in dessen Mitte der Mörder bleibt. Ihr Vater der die Wahrheit verborgen hat und die Verantwortung für den Tod ihrer Unschuld nicht tragen möchte.
Die Mutter schwankt währenddessen zwischen blanken Entsetzten und ausgeprägten Schuldgefühlen.
Als sie plötzlich mit der Situation konfrontiert wird, bringt sie den Vater um und bricht fachmännisch seinen Körper entzwei.
In diesem Moment gleitet das Bild in die Schatten des Bodens über und hinterlässt das Gerippe des Hasen.
Das Opfer begann die Denkmuster ihres psychopathischen Vaters anzunehmen. Wenn man bedenkt wie verheißungsvoll das Spektakel hätte verlaufen können, ist die liebevolle Inszenierung des Grauens durch die Entwicklung einer zerstörerischen Handlung, eine Abkehr von der Vergangenheit und keinen weiteren Gedanken mehr wert.
JD
 
                                                                                     Ausflug in die Vergangenheit JD

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