Samstag, 28. September 2013

Das Ende in der Nacht

Die Worte als Verführung erreichen ihr Ziel.
Sie waren ein Zwischenspiel der Liebe,
sicher ist vorbei und zerstört mit Qualen.
Sie sind die Erkenntnis, munter die Sehnsucht
nun sind sie vorbei, mit Tränen gespickt

Verbleibt sie einsam, das Spiel ist aus, es rauscht
Es ist soweit, sie geht nach Haus und geht dahin
kein Fragen mehr, sie als Vertriebene
die Antwort wird sterben, denn sie geht mit ihr
zerschlägt die Vergangenheit, wohin der Regen mit ihr rinnt

dachten sie wären zusammen eins
wozu noch flehen, im Regen geht sie nicht mehr weiter
schlägt ihr Lächeln böse in ihr Gesicht mit Angst
sie hatte ihr den Kopf verdreht, die Gefühle drehten sich im Kreis
sie wollten zusammenbleiben, ein Stück vielleicht

doch es hat nicht gereicht für ein Weiter
sie sagte es geht nicht, schuldig durch die Angst
das Leben rauscht sonst vorbei, wenn es dunkel wird
sie wollte endlich frei sein, damit ihr Wind schweigt
sie fiel über sie, wie der Regen als Begleiter

sie hatte nun eine Maske, kalt und schwarz
sie schoss auf sie in Trauer und Wut
sie traf und der Schuss war tödlich ohne Zweifel
alles war damit gesagt, aber nicht der Schmerz

Der Abend steht ihr böse zu Gesicht

JD

Freitag, 27. September 2013

Abschalten Teil 1 Die Bande

Der Schlag der Zeit hielt sie niedergestreckt. Sie blickte noch lange mit gesenktem Kopf in den fast leeren Raum. In ihr brodelte die Revolution. Das Licht war so gelb, dass im Zimmer alles noch verdreckter wirkte. Die Gegenstände lagen durcheinander und ohne System umher. Die Geräusche um sie herum waren für sie nur noch dumpfe Töne in einem Klangchaos.
Von der Außenwelt getrennt, lebte sie mit ihren Geschwistern in einem kleinen Haus am Rande der Stadt, gegenüber eines Waldes. Das abgelegene Grundstück war groß und voller verwildeter Blumen- und Kräuterbeete. Die Wege waren flach ausgetreten. Alles wurde von Baumkronen überschattet, die einen finsteren Eindruck erzeugten. Die Leute der Nachbarschaft liefen schnell und gebeugt an dem unheilvollen Haus vorbei.
Die Eltern waren Teil der Stadt und verwachsen mit ihrem Besitz. Deutlich markierte eine große umlaufende Mauer das Anwesen. Sie erschien großzügiger bemessen als die Notwenigkeit es geboten hätte.
Die Elternteile pflegten eine diktatorische Erziehung, in der den Kindern die Außenwelt verwehrt blieb. Sie kommunizierten in einer eigenen bizarren Sprache mit erfundenen Wörtern und andersartiger Betonung der Wortsilben. Für die Kinder lebten die Menschen in der Außenwelt als besessene Fleischhüllen. Die Eltern vermittelten ihren Kindern die Ansicht, dass alle anderen Menschen durch revolutionäres Gedankengut infiltrierte Lebensweisen nachgehen. Sie erblinden an den Freigeist, der ihnen vorgelebt wurde.
In brutal sadistischen Handlungen erprobten sie daher ihre manipulativen Fähigkeiten. Für die Kinder hatte das Verhalten nicht mit Gefühlen zu tun. Sie ertasteten ihre Umwelt mit den Zungen und versuchten Gegenstände zu schmecken. Sie kauten und schlugen in sie hinein.
Tiere hielten sie für Spielzeuge, welche sie fingen und bis zum Tod folterten. Die Tiere zitterten in ihren Händen mit denen sie das Leben nahmen. Im richtigen Moment warfen sie sich unbeobachtet vom Opfer auf sie. Am Ende der Folter warfen sie die Tiere achtlos über die Mauer, während über ihnen der friedvoll erscheinende Himmel für die Nacht dunkel wurde.
In Verletzungen empfanden die Kinder Genugtuung, wenn sie Rache übten und ihre Geschwister mit Messern verwundeten.
Die Eltern gingen regelmäßig einer eintönigen Beschäftigung in einer Behörde nach. Dort erledigten sie abgerichtet wie Hunde die Aufgaben ihres Betätigungsfeldes. Für die Kinder hingegen verweigerten sie dies, denn sie wollten, dass sie die höchste Stufe der Abrichtung erreichten, den absoluten Gehorsam. Die Eltern hatten Angst die Erziehung zu früh zu beenden, ohne das blutrünstige Tier in ihnen nach Außen gekehrt zu haben. Ungeduldig erwarteten sie die Erscheinung. Die Ankunft der Bestie in ihnen konnte in naher Zukunft bevorstehen. Ähnlich einer Geburt schien die Psyche der Kinder eine Bestie zu gebären, was das Wesen der Kinder schon immer verbarg.
Als dann wenige Tage nach dem 16. Geburtstag des ältesten Kindes ein fremder Mann auf dem Grundstück auftauchte, wurden die Kinder starr vor entsetzen und Panik bemächtigte sich ihrer. Sie stürzten sich im Affekt auf den Mann und schlugen ihre blanke Zähnen durch seine Haut. Sie rissen sein Fleisch vom Hals und bissen Stücke aus seiner Wade. Ungewöhnlich schnell floss das Blut und der Mann starb bereits nach einem röchelnden Hilfeschrei.
In der Blutlache suhlten sich grölend die Kinder vor Glücksgefühlen über den Tod des Unmenschen. Er drang in ihre Intimsphäre. Das jüngste Kind, 11 Jahre, zerriss sich die Kleidung in Streifen und beschmierte sich in Ekstase geraten mit dem Blut. Wie in einem heiligen Ritual lachte und wälzte sie über den Leichnam. Die Eltern gratulieren und lobten die Kinder für die Tötung der Schreckensge-stalt Mensch.
Nun lernte der Vater die Kinder an. Er unterrichtete sie im geräuschlosen und schnellen Töten. Auf allen Vieren streiften die Kinder mit dem Vater durch das Unterholz des Waldes und verfolgten Spaziergänger unbemerkt minutenlang. Sie imitierten die Geräusche der Tiere und schreckten mit ihrem Verhalten ihre Umwelt immer mehr ab.
Die Abgeschiedenheit sicherte ihre Lebensform.
 
JD

Sonntag, 15. September 2013

Von mir zu dir

In uns verlor sich im Abstand die Zeit,
haftete der Moment an der Zweisamkeit,
bat die Nacht um Gnade vor der Untat
sind wir ganz durch Unantastbarkeit.

Gleiten wir schnell in uns hinein,
dass wir einen Halt darin finden
und die Blicke uns aneinander binden.
Denn die Schauer über uns am Morgen,
bergen keine Augenblicke mehr.
Weckt die Kälte uns aus unseren Träumen
geht es von mir und lässt Verzweiflung folgen.
Schaue ich dir nach, sagst du nichts über den Weg.

Kenne mehr von dir aus dem Verborgenen,
besseres als in mir, trägst du fort.
Weißt nicht wie ich war, bevor wir uns hatten,
kannst mich nicht erkennen, da ich mich halbiere.

Ich bin die letzte Stunde in unserer Bindung,
frage nicht mehr nach dem zukünftigen Uns.
Lächele lange, verzeihe nicht mehr das Vergessen,
lasse dich dennoch in dem Glauben ziehen.

Rot verfärbt das Weiße im Tränenfluss,
träge werden die Hände über deine Kraft.
Du hast jetzt immer wieder andere Leute,
im Kreis blicken wir uns heimlich an.

Können uns wiederfinden, kennenlernen
und doch nicht mehr den anderen entdecken.
Sagst nichts mehr, bist nicht mehr Teil von mir
sehen wir uns, habe ich keine Fragen mehr.

Werde nicht mehr sein für dich!
Können nicht bis zur Ewigkeit verbleiben.
Ist Sehnsucht die letzte Bindung zu dir
wir sie mich doch verlassen, wie die Wärme verlässt meine Haut.

Überlege wann bin ich ohne uns?
Bin ich allein das Gewissen?
Klagt die Ungeduld,
spiegelt sich die Nacht in meinen Gesicht.
Träume vom wir.
Werden uns in einer neuen Welt wiedersehen.
Zurück komme ich nicht!
Werde für uns als erste gehen!

JD

Das Tier in ihm Teil II Der erste Morgen

Als A.J. am Morgen in der Ruine seines Hauses aufwacht, findet er sich verwandelt vor. Über ihn liegt der kalte nasse Morgentau und glänzt auf seinem nackten, steifen Körper. Sein Rücken verhärtet den Hals und er kann seinen Kopf nicht heben. Auf der Höhe seines Bauches schimmert ein hilfloser Tautropfen.

„Wo ist nur meine ungetrübte Wahrnehmung?“, denkt er. Nicht mehr im Traumland bereitet ihn das Erwachen einen heftigen Schauer der Angst. Sein Haus ist kein Haus mehr für Menschen, sondern wird durch den Brand wieder Nährboden für die Vegetation. Die ihm bekannten, allein ihm gehörenden Wände sind verkohlte Reste einer versteinerten, menschlichen Existenz.

Er liegt mit mehr Lebenskraft als Verstand auf seinem nunmehr Sperrmüllreifen Sofa. Mit Flügeln versucht ihn der beginnende Tag zu verführen. Da aber sein Lebensschicksal gerade Amok läuft, vergiftet der Umstand seiner vor Augen geführten Existenztrümmer weiterhin seine vergiftete Wahrnehmung über die Welt.

Sein Leben liegt tot in seinen verschränkten Armen. Hat er es geliebt? Ist ein Leben bewältigen, das Leben lieben. Muss man den Tag nehmen oder in den Kampf ziehen?

Er atmet die süßen Duft am Morgen, die Menge aus entzündeter Materie, vergorener Körpersäfte und seiner Vergangenheit. Sein Alltag war nie die wilde Braut, die er haben wollte. Da wird ihm mit einem heftigen Aufschlag im Bewusstsein deutlich und ihm fehlt jegliche Leidenschaft zum Sein. Nichts war wirklich authentisch. Er nicht, die verbrachten Stunden am Tag, die Menschen in seiner Nähe und weiteren Umgebung. Er verbleibt erschlafft, gelähmt, kraftlos. Ein Koma aus Gift der Notwendigkeit seiner Existenz.

Brutalität im Alltag.

Sein Atem gleicht einem Röcheln. Verbrannte Lunge. Sie zieht heftig nach Sauerstoff für den luftentleerten Raum im Inneren. Er atmet noch. Er lebt. Atmen bedeutet Zuversicht, denn er kann nicht verwerfen, was ihn ausmacht. Körper. Ein gedankenleerer Raum. Sein Verzicht macht ihn nicht aus. Aber der Verzicht auf die Gesellschaft?

Atmen und leben, als Antrieb nach Dingen zu greifen, im Tag zu ertrinken, bewusst zu inhalieren und aufzunehmen. Mehr hinunterschlucken als möglich ist. Die Luft seiner bisherigen Tage war ein Gift aus der Vergangenheit. Sein Körper ist in der kalten Morgenluft noch warm und er spürt die Kälte. Sie wird zu einer Wohltat seiner jetzigen Empfindungen. Sein Geist erwacht und die zurückliegenden Tage verlieren an Wert. Er ist wach, wird kalt. Naht der Tod? Seine Augen gleiten über die verbrannten Gegenstände und Unmengen angehäufter Konsumgüter. Es wirkt nun spärlich und drohte ihn aufzufressen.

Sein Schutzraum. Seine eingerissenen Wände. In ihnen kam er zur Ruhe, wenn der Alltag jegliche Stimulanz der Gefühle und Gedanken auffraß. In dieser Stille erfuhr er die paradoxe Situation zu entfernen, was ihn kaum in Begriff war in Besitz zu nehmen. Dort war er kein allmächtiges Wissen, das ihn umarmte. Seine Körperfunktionen verloren nie ihre Betriebsamkeit. Ein langsamer Puls, eine flache Atmung, eine unauffällige Sättigung. Wie ein Vogel, der nicht Fliegen kann. Altes Bekannte ohne eine Liebe. Niemand ergab sich mehr diesen Wahnsinn aus lähmendem Erbgut der Vergangenheit. In dieser Handlung bedarf es keiner Erinnerungen mehr, keine menschlichen Beziehungen, denn eine alltägliche Lebensform bildet einen vermeintlichen Sinn.

JD

Samstag, 7. September 2013

Teil 3: Weiß und Schwarz erzwingt Grau, Fehlbarkeit ist keine Schande

Sie lebten in einer Waldhütte in einem sehr kleinen Dorf wie in einer idealen Staatsform. Eine von ihnen erdachte Utopie. Sie wuchs mit ihrer Dreiecksbeziehung und war rein theoretisch mit dem Frühling gewachsen. Jeder einzelne von ihnen war nun ein reifer Mensch. Sie vergaßen nicht, dass sie eine Form lebten, die in mancher Kultur schon immer verankert war. Eine Familie wie ein Staat, die so alt ist wie es die Elternteile sind. Aus ihrem anfangs zügellosen Zusammensein, ohne Vernunft und Rechenschaft verloren sie sich ohne einen Grund von Gerechtigkeit, weil es keine Gesetzmäßigkeiten mehr gab, die dem Wohl aller beteiligten diente. Frei einer göttlichen Ordnung wollten sie einem Vorbild näher kommen, das von negativen Gefühlen frei war.
Es war nicht möglich über sie zu urteilen, über ihre verschiedenen Möglichkeiten ihre Liebe zu formen und zu leben. Sie handelten demokratisch, unterstellten sich einer Monarchie oder waren anarchistisch verantwortungsfrei. Sie waren immer willig und hoben hervor, dass jeder von ihnen einen Anspruch auf Gerechtigkeit und eine Funktion hatte. Mit der Freiheit im Handeln jedes einzelnen wurde das Wohl aller drei gewahrt. Denn ihr freier Wille in eine Unabhängigkeit von Leben und Wirken fester Konventionen der Gesellschaft, die eine Gemeinschaft wünscht, sollte eine kontrollierte Zweisamkeit zum Ziel haben. Die Drei aber fanden ihr Glück in der Selbstständigkeit.
In ihrem diktatorischen Zeiten siegte das Böse. In diesem Wissen erduldeten sie trotzdem die geschlagene Stunde und entschieden sich diesen Gewalttäter nicht niederzuschlagen. Jeder ihrer Schritte raubte ihre Verborgenheit und keine Tage waren mehr rechtens. Es verblieb ein mechanisierter Tagesablauf in dem das Verbrechen übrig blieb. In dieser unterlegenen Haltung fand das Vergessen statt und ihre Pflicht ein System der Sittlichkeit zu wählen, verblasste mit der Beseitigung.
Wenn sie aber mit aller Kraftanstrengung ihr Recht auf einen freien Geist wahrnahmen, stürzten sie durch ihre Notwendigkeit zu siegen, das System. Die Mauern fielen und verstreuten Ekstase in die hungrigen Körper. Der Mut kräftigte ihr Fehlverhalten, ohne Bedrängnis einzusehen. Ihre Feigheit war nun sichtbar in ihrer liebevollen Art zur Natur. Hätten sie weiter verharrt, wäre die Hölle über sie eingebrochen und ihre Schuld wäre ihr Untergang gewesen.
Widerstand zu proben war keine Klarheit, weil Möglichkeiten erkannt werden mussten. Der Versuch eine Lage anders zu bewerten, konnte einen Sturz bewirken. Wären sie alleine in Bitterkeit vergangen, hätte ihnen die Gegnerschaft einen Umsturz herbeigeführt. In der Zusammenarbeit bildete die Einigkeit nun die Verfügung, ähnlich einem passiven Widerstand.
In diesem Sinne war das Ziel, dass neue System fallen zu lassen und eine seichte Welle zu bilden. Ein Kampf bei dem nicht vor einem Blutbad zurückgeschreckt wurde, das im Inneren zerfleischt und dem Umstand ein Ende bereitete. Wie konnte alles ein angemessenes Ende finden?
Die Sabotage der Gefühle als Feierlichkeit betrieben, verhinderte den reibungslosen Ablauf. Die Opferung wurde zu ihrer Tarnung und als wohltätige Gabe der Beziehung aufgegeben. Bei genauer Betrachtung aber waren sie Notleidende, die emotional auf eine Krise zusteuerten. Die Sinnlosigkeit weiter zu betreiben, sprach nur für einen Krieg. Beständig würden sie Kriege führen.
JD

Zarter Mord

Unsere Liebe begleitet mich in die langen Nächte,
ohne meine Reue an die schwindenden Stunden
unverzeihlich für dich, gehst du nicht wieder weiter,
sodass ich mit dir in unserer Wärme verbleibe.

Unser Liebesspiel bringt mich nicht in Träumerei,
jede Nacht liegt sie neben mir und füllt heiß
sinkt mein Kopf tiefer in dich hinab, bis die Kissen
mich nicht mehr fangen und mich verschlingt die Zartheit.

Du siehst mich von oben herab, im Urteil verfangen.
Über mir stehend fällt dein Blick in meinen roten Schlund
die ganze Nacht uns umgebend, erklärst du flehentlich
wir gehören uns, im großen Raum, in unserer Zeit.

Die Fragen schweben im Raum, folgen der geraden Linie,
während du bereust, zieht ein Hauch dort entlang,
doch ich verzeihe dir nicht, deinem haltlosen Stand
es faltet mich, umschlinge die Worte, sie werden mein

Deine Liebe tötet mich im Ganzen mit dieser Klinge
und macht dich zur Übeltäterin des kommenden Chaos
wahrlich unersetzlich. Ströme, gleißend hell, kochend.
Und weil ich zur gleichen Zeit eisig begegnend beschreibe
deine Wunden heilen, meine bleiben ewiglich, innerlich
tötest du meine Unersättlichkeit, nicht meine Leidenschaft.

JD