„Wo ist nur meine ungetrübte
Wahrnehmung?“, denkt er. Nicht mehr im Traumland bereitet ihn das
Erwachen einen heftigen Schauer der Angst. Sein Haus ist kein Haus
mehr für Menschen, sondern wird durch den Brand wieder Nährboden
für die Vegetation. Die ihm bekannten, allein ihm gehörenden Wände
sind verkohlte Reste einer versteinerten, menschlichen Existenz.
Er liegt mit mehr Lebenskraft als
Verstand auf seinem nunmehr Sperrmüllreifen Sofa. Mit Flügeln
versucht ihn der beginnende Tag zu verführen. Da aber sein
Lebensschicksal gerade Amok läuft, vergiftet der Umstand seiner vor
Augen geführten Existenztrümmer weiterhin seine vergiftete
Wahrnehmung über die Welt.
Sein Leben liegt tot in seinen
verschränkten Armen. Hat er es geliebt? Ist ein Leben bewältigen,
das Leben lieben. Muss man den Tag nehmen oder in den Kampf ziehen?
Er atmet die süßen Duft am Morgen,
die Menge aus entzündeter Materie, vergorener Körpersäfte und
seiner Vergangenheit. Sein Alltag war nie die wilde Braut, die er
haben wollte. Da wird ihm mit einem heftigen Aufschlag im Bewusstsein
deutlich und ihm fehlt jegliche Leidenschaft zum Sein. Nichts war
wirklich authentisch. Er nicht, die verbrachten Stunden am Tag, die
Menschen in seiner Nähe und weiteren Umgebung. Er verbleibt
erschlafft, gelähmt, kraftlos. Ein Koma aus Gift der Notwendigkeit
seiner Existenz.
Brutalität im Alltag.
Sein Atem gleicht einem Röcheln.
Verbrannte Lunge. Sie zieht heftig nach Sauerstoff für den
luftentleerten Raum im Inneren. Er atmet noch. Er lebt. Atmen
bedeutet Zuversicht, denn er kann nicht verwerfen, was ihn ausmacht.
Körper. Ein gedankenleerer Raum. Sein Verzicht macht ihn nicht aus.
Aber der Verzicht auf die Gesellschaft?
Atmen und leben, als Antrieb nach
Dingen zu greifen, im Tag zu ertrinken, bewusst zu inhalieren und
aufzunehmen. Mehr hinunterschlucken als möglich ist. Die Luft seiner
bisherigen Tage war ein Gift aus der Vergangenheit. Sein Körper ist
in der kalten Morgenluft noch warm und er spürt die Kälte. Sie wird
zu einer Wohltat seiner jetzigen Empfindungen. Sein Geist erwacht und
die zurückliegenden Tage verlieren an Wert. Er ist wach, wird kalt.
Naht der Tod? Seine Augen gleiten über die verbrannten Gegenstände
und Unmengen angehäufter Konsumgüter. Es wirkt nun spärlich und
drohte ihn aufzufressen.
Sein Schutzraum. Seine eingerissenen
Wände. In ihnen kam er zur Ruhe, wenn der Alltag jegliche Stimulanz
der Gefühle und Gedanken auffraß. In dieser Stille erfuhr er die
paradoxe Situation zu entfernen, was ihn kaum in Begriff war in
Besitz zu nehmen. Dort war er kein allmächtiges Wissen, das ihn
umarmte. Seine Körperfunktionen verloren nie ihre Betriebsamkeit.
Ein langsamer Puls, eine flache Atmung, eine unauffällige Sättigung.
Wie ein Vogel, der nicht Fliegen kann. Altes Bekannte ohne eine
Liebe. Niemand ergab sich mehr diesen Wahnsinn aus lähmendem Erbgut
der Vergangenheit. In dieser Handlung bedarf es keiner Erinnerungen
mehr, keine menschlichen Beziehungen, denn eine alltägliche
Lebensform bildet einen vermeintlichen Sinn.
JD
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