Federnden Schrittes
durchquert sie die Straßen der Stadt und bleibt völlig in sich versunken.
Rasend ist der Gang und mit viel Leben bepackt. Hinter ihr wirbelt der
verlassene Sand auf und verabschiedet sich mit einer imposanten Staubwolke.
Sie legt viel Weg
zurück und nähert sich ihrem Heim. Da erblickt sie eine Freundin aus dem
näheren Umfeld und ruft ihren Namen. Die Träumerin erhört den Ruf, aber nimmt die
Worte nicht wahr. Geschwind verlässt sie, um eine Ecke gebogen, das Blickfeld
der Freundin. Langsam erreicht der Sinn der Worte die Voranschreitende und
veranlasst zum Innehalten. Die Vollbremsung führt ins Desaster, denn der
Schwung reißt ihr die Tasche von der Schulter. Die Tasche bekommt einen
Höhenflug und segelt an mancherlei vorbei. Ihre Begegnung mit einem
Kleiderständer unterbricht aber den Freiheitsrausch. Von der Wucht des Flugs
gefolgt, gibt es viele Wendungen um den Kleiderständer. Er ist für die
Entsorgung auf der Straße platziert. Erleichtert verfolgt sie die zurückgelegte
Flugbahn der Tasche und will sich ihr Eigentum zurückholen.
Der Schreck verleitet
zum Stoppen und sendet die vormals vernommene Botschaft aus ihrem Gedächtnis ins Bewusstsein. Nun macht sie kehrt, was ihr nicht liegt und begibt sich in die
Nähe ihrer Freundin. Mit den schwindenden Metern kommt die Nähe und endet in
der Begegnung.
Am Ort des
Zusammentreffens empfängt sie eine Menschenmenge. Ihre Freundin ist in
Begleitung einer Masse an Leuten, die auch ihr sehr wohl bekannt sind. Langsam
lichtet sich das Knäuel und ordnet sich in einer Reihe. Sie steht jetzt einer
Geraden gegenüber und begrüßt noch lange jeden einzelnen. Es hält stark auf,
denn eine Reihe gibt keinen Blick auf den Horizont frei.
Nach der Begrüßung
folgen zahllose Fragen. Um Rede und Antwort stehen zu können, erhebt sie den
Zeigefinder und fordert zur Rede auf. Auf jede Frage weiß sie Antwort und berichtet
von ihrer inneren Seelenlandschaft. Wie schön die Blumen sind, wie hell die
Sonne scheint und grün das Gras ist. Sie schildert die Berge und Täler, den
Strand und das Meer. Sie bebildert mit reichlich Farbe. Die Leute erstaunen
über soviel Schönheit und blicken sich nun um. Sie ahnen nicht was sie verbirgt.
Sie spricht nicht von der Wüste, den dunklen Höhlen und Stolperfaden. Keiner
fragt nach der Regen- und Trockenzeit, so bleibt alles auf einer anderen Karte
geschrieben.
Nach Beendigung der
Fragestunde fällt ihr Geist durch die Anstrengung der Schauspielerei vor
Erschöpfung in einen tiefen Schlaf. Sie wird zur Stehenden und verlässt die
Welt. Manchmal lebt sie lieber auf einem anderen Planeten. Sie bemerkt nicht
die abnehmende Personenzahl. Die Menschen gehen ohne sich umzudrehen und lassen
sie im Stehen zurück. Da fällt ihr plötzlich die zunehmende Kälte auf und Verlustängste
erfassen sie. Der Mensch braucht Wärme zum Leben.
Die Ängste schnüren
ihren Geist und fesseln sie an Ort und Stelle. Jede Bewegung ist eingeschränkt
und verhindert eine Handlung. Da kommt der Regen und prasselt auf sie ein.
Der Regen ist ein
sozialer Bursche, der alle toleriert. Nie unterscheidet er die Art der Menschen
und macht alle gleichermaßen nass. Fleißig reinigt er die Welt und gibt dem
pflanzlichen Bewuchs Leben. Die Sorgen spült er fort und befreit von Starre.
Bei Regen verlieren alle ihre innere Ruhe und wollen eilig fort. Jeden plagen
die gleichen Umstände. Der Regen macht sie alle nass!
Das führt zu zahlreichen
Begegnungen unter schützenden Dächern. Man kommt ins Gespräch, denn der Regen
ist bei jedem mit dem Durchnässen der Kleidung erbarmungslos. Schimpfend
treffen die Seelen auf Andersgesinnte. Sie werden vereint. Die neue Nähe wärmt
durch die Enge und erschafft eine Welt, in der alle Platz finden.
Das befreit auch unsere
Voranschreitende und drückt auf ihr Gaspedal. Da saust sie weiter und verliert
sich in der vorbeiziehenden Welt. Nie wieder legt sie den Rückwärtsgang ein.
JD
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