Freitag, 5. April 2013

Warum ich schreibe, wenn mich doch keiner fragt


Ihre Hände gleiten flink über die Tastatur. Zwanghaft müssen alle Beobachtungen und Gedanken protokolliert werden. Sie listet alles auf, um Neuem Platz zu geben. Emsig schreibend, vergisst sie sich in den wachsenden Zeilen und erstickt ihre lodernde Wut. Sie verfasst Texte so schnell wie ein niederbrennender Strohballen. So sauer sie auch aufstößt, so lichterloh sie auch brennt, niemand kann sie sehen und ihre im Qualm erstickten, röchelnden Laute wahrnehmen.
Mit zerreißendem Schmerz fließt der Druck als unaufhaltsamer Strom und sticht in den Magen.
Sie ist unfähig sich mitzuteilen, weil keiner mehr hinhören möchte. Sie kann in Worten nicht geben, was die Gesellschaft von ihr einfordert. Daher werden für sie gesagte Worte zur Säure. Noch nie gelang ihr kunstvoll zu Schauspielern, so enden alle Worte im Karneval der Mimik und Zirkus der Gesten. Peinlich wird die Akrobatik und die Menschen beginnen sie zu verlassen. Sich selbst nicht Einheit gebietend, wird sie nicht mitgerissen.
Nun bleibt ihr noch festzuhalten, was sie nicht sagen und erzählen kann. Weil sie alles aufschreibt,  kann sie nichts mehr Mitteilen. Jetzt sucht sie nach einem Weg Dazusein. Sie wählt keinen Sport, weil sie Brüllen spießig findet und geht auch nicht zum Kochkurs, weil sie zu gut Essen kann. Sie überlegt sehr lange und die Lebensjahre türmen sich hinter ihr auf. Da erschreckt sie und sieht, dass die Jahre sie quietschend Richtung 30 schieben.
Nun entscheidet sie sich für keine Botschaft, sondern zur Ernte ihrer Qualen. Sie pflügt, sät, gießt und pflückt.
Sie holt Informationen ein und erfährt, in der Cyberwelt darf jeder sich einen Platz nehmen und braucht nichts zu geben.

JD
Leute hört mich rufen! Ich will keine schreibende Tyrannin mimen, ich will Kunde geben vom Leben.
Immer Haltung bewahren!

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