Ihre Hände gleiten flink
über die Tastatur. Zwanghaft müssen alle Beobachtungen und Gedanken
protokolliert werden. Sie listet alles auf, um Neuem Platz zu geben. Emsig schreibend, vergisst sie sich in den wachsenden
Zeilen und erstickt ihre lodernde Wut. Sie verfasst Texte so schnell wie ein niederbrennender Strohballen. So sauer sie auch aufstößt, so lichterloh sie
auch brennt, niemand kann sie sehen und ihre im Qualm erstickten, röchelnden
Laute wahrnehmen.
Mit zerreißendem
Schmerz fließt der Druck als unaufhaltsamer Strom und sticht in den Magen.
Sie ist unfähig sich
mitzuteilen, weil keiner mehr hinhören möchte. Sie kann in Worten nicht geben,
was die Gesellschaft von ihr einfordert. Daher werden für sie gesagte Worte zur
Säure. Noch nie gelang ihr kunstvoll zu Schauspielern, so enden alle Worte
im Karneval der Mimik und Zirkus der Gesten. Peinlich wird die Akrobatik und
die Menschen beginnen sie zu verlassen. Sich selbst nicht Einheit gebietend,
wird sie nicht mitgerissen.
Nun bleibt ihr noch
festzuhalten, was sie nicht sagen und erzählen kann. Weil sie alles
aufschreibt, kann sie nichts mehr Mitteilen. Jetzt sucht sie nach einem Weg
Dazusein. Sie wählt keinen Sport, weil sie Brüllen spießig findet und geht auch
nicht zum Kochkurs, weil sie zu gut Essen kann. Sie überlegt sehr lange und
die Lebensjahre türmen sich hinter ihr auf. Da erschreckt sie und sieht, dass die
Jahre sie quietschend Richtung 30 schieben.
Nun entscheidet sie sich
für keine Botschaft, sondern zur Ernte ihrer Qualen. Sie pflügt, sät, gießt und
pflückt.
Sie holt Informationen
ein und erfährt, in der Cyberwelt darf jeder sich einen Platz
nehmen und braucht nichts zu geben.
JD
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