Das musste raus!
Zu jeder Zeit trugst du
mich an die richtige Stelle. Du hattest mich hingestellt und aufgebaut. Geduldig
vertieftest du dich in die Bauanleitung, um alles richtig zu justieren. Alle
Einzelteile hattest du ausgepackt und sorgfältig sortiert. Nebeneinander lagen
sie, bereit zur Verwendung. Alles hattest du genau betrachtet, damit du
verstehen konntest, wieso das Konstrukt hielt. Es versprach zusammenzugehören.
Du hattest nie viel
gesprochen, denn im Lesen lag deine Stärke. Ordentlich auf dem Tisch geparkt, hattest du die Seiten
der Bücher zaghaft umgeschlagen. Ungläubig verfolgtest du die Zeilen und in
deinem Blick lag eine zunehmende Bewunderung. Du strotztest vor Manneskraft und
hattest deine Gefühle verschlossen. Da fing dein Herz zu schmerzen an und
schlug im unruhigen Takt. Die Ärzte begannen zu schimpfen und gaben dir manchen
Rat. Die Besserung kam nicht und hüllte dich weiter in Schweigen.
Unverbesserlich wie du warst, wolltest du deine Nächsten schützen.
In dem du deine Sorgen
verborgen hieltest, konnte niemand traurig sein. Deine Stärke war das Zugpferd
der Familie. Du hattest ein Nest gebaut. Tief grubst du dich in die Erde und
sichertest für alle ein Stück Eigenheim. Die Fläche hattest du begradigt und
ein stabiles Fundament gegossen. Sicher hattest du eine feste Mauer aufgetürmt und
gabst deiner Familie ein schützendes Dach.
Traurig machte dich das
Feuer von deinem eigenen Fleische gegen deine schützende Hand. Er verband sich
mit dem Hass in teuflischer Manier und wütete keifend gegen dich. Deine kluge
Art rettete der Familie den festen Stand. Nun wuchs ein
kräftiger Baum. Die blühenden Äste hattest du begrüßt wie ein stolzer Mann.
Beruhigend sprachst du auf alle ein, wenn der Sturm das Haus zum Schütteln
brachte. Du riefst, das Fundament habest du gegossen, die Mauern eigenhändig
hochgezogen und das Dach selbst erklommen. Du würdest deine Wirkungsstätte
kennen, nichts könnte sie davontragen.
Du warst die fest
verankerte Wurzel und gabst allem Halt. Ein Kämpfer im Sturm, standfest im
Regen, gegen den Himmel strebend im Sonneschein. Und weil du stetig alle
kräftigste, zog das Leben aus den Wurzeln in die Äste. Sie gingen schön auf und
erstreckten sich über weite Flächen. Auch Fehler hattest du einfach einwachsen
lassen. Deine Größe ließ neben dir nichts zu Tage kommen. Du warfst einen
gewaltigen Schatten, dem nicht viel gewachsen war. Aber einiges hatte Kraft und
umschlug deine gesamte Breite. Es gab dir die Sicherheit richtig
platziert zu sein. Du saugtest nicht das Leben aus dem Grund, sondern nahmst
was du brauchtest. Es schlug sich nieder in deiner wahren Größe. Du konntest
den Wolken nicht folgen, aber dem grauen Himmelszelt hattest du getrotzt. Die
Äste und neuen Zweige mussten weiterwachsen.
Im gewaltigen Stamm pulsierte
das Leben. Das Wasser floss in die richtigen Enden und die Äste vertrugen die
gegebenen Nährstoffe. Da das Leben die Kraft mit der Zeit raubte, weil du alles
gabst, kam der Tag an du nicht mehr wachsen konntest.
Das Gewicht der Äste
forderte ihren Tribut. Sie waren fest mit dir verbunden, aber benötigten nicht
mehr deine Stärke. Da kam der Tag an dem du gehen musstest.
Die Sonne schien nur
für dich, für einen gebührenden Empfang. Sie lud dich zu sich ein, an ihrer
Seite zu verweilen. Du behieltest den Blick auf deine angestammte Stelle. Du
konntest einfach nicht mehr pumpen, aber dein festgesetzter Anker kann für die
Ewigkeit bleiben.
Die Äste waren stark
und die Zweige streben noch nach oben. Noch bleibst du unerreicht. Danke für
den Platz im Leben und die Sonne, die immer wieder scheint.
JD
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