Sie sitzt einem
traurigen Stück von sich gegenüber und versucht mit dem Blick im Wesen des
Raumes zu lesen. In dieser Nacht drückt sie der Tag tief in die muffigen karierten
Kissen, aus einem Jahrzehnt vor ihrem Rollen in die Welt und Kriechen ans
Licht. Mit tiefer Anspannung verfolgt ihre Neugier die roten Muster am anderen
gemauerten Abschluss des Raumes. Nach der erfolglosen Spurensuche im Rot, misslingt
ihr auch der Versuch, die Antwort im Gegenpart zu finden. Sie wählt das Blau.
Es riss sie aber schmerzlich in die Tiefe. Wo man kein Ende erkennen kann,
fehlt auch der Mut zu suchen.
Die Fülle der Wand
versteckt die Leere des glattes Putzes darunter. Die Makel wurden getilgt und
zu einer grauen Einheit begradigt. Menschen verfolgen immer Linien und
gerichtete Strecken, um sich so scheinbar der Sicherheit gewahr zu sein, auch
einem Zweck oder Ziel gedient zu haben.
Diese ganzen Verwirrungen
sind so stark verflochten, dass durch fehlende Entscheidungskraft nur das Chaos
bleibt. Sie atmet stoßweise mit geöffneten Augen, während ihr Blut so stark
durch die engen Gefäße des Körpers pumpt, dass es als Klopfen im Raum
wahrnehmbar ist. Klirrend fallen Kristalle aus ihren Augenwinkeln und schlagen
hart auf den Holzfußboden auf. Die Wucht des Aufschlags gräbt eine Delle
hinein. Fest wird der Biss auf ihre Unterlippe und sie sticht ein Loch in ihr warmes
Fleisch, das verblasst und zum Rinnsal ihrer Abtropfflüssigkeit wird. Die
Handhöhle fängt als Kelch die Säfte.
Alles beginnt in einem
anderen Rhythmus zu schwingen und sich zu verändern. Begegnungen führen zu Explosionen
und lösen gewaltige Eruptionen der Qualen aus. Kurzzeitig flackern Gedanken auf
und schießen ziellos als lodernde Pfeile in die Nacht. Bebend zieht sich der Brustkorb
zu Krämpfen zusammen und löst Knoten auf. Die Augenlider schieben sich schwer
über die toten Gefangenen in den knöchernen Augenhöhlen und verschließen
boshaft den Zugang zur Realität. Gelähmt rutscht der Kiefer auf den Brustkorb
und der Hals fühlt sich nicht mehr in der Verantwortung der stützenden Position
und ergibt sich nach einem rückwärtigen Aufbäumen dem gesicherten Fall nach
vorne.
Die Schulterblätter
erschlaffen und die Hände suchen Halt auf den Oberschenkeln. Die Füße verlieren
an Bodenhaftung, beginnen über die polierte Glätte des Holzbodens in großen
Kreisen auseinanderzugleiten, wie es an Eleganz nur ein Eiskunstlauf zeigen
kann und einen senkrechten Startflug Richtung Coachtisch. Die graue Socke am
linken Fuß verschlingt jedoch während des Höhenflugs in einer kraftvollen
Umarmung mit dem großen herausragenden Nagel des alten fünften Brettes im Boden
und verhindert die weitere Reise.
Alles endet in
Bewegungslosigkeit.
JD
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