Auf dem Weg zum
Kreativdirektor der Seele durchschritt der Gemarterte einen langen, von
zurückgelegter Strecke, hallenden Schlauch. Nach dem Eintritt in das Büro des
Tyrannen zog schmerzhaft gleißendes Licht über die, aus den Höhlen gepressten,
Augen des Gemarterten. Ruckelnd schoben sich die Augenlider über die innere Wüste
und zogen Falten zu den Mundwinkeln. Das linke Augenlid fächerte kraftvoll die
linke Gesichtshälfte zusammen und legte eine Zahnreihe im erhobenen Mundwinkel
frei.
Ermattet sackte sein
Körper nach vorne und der Blick wanderte Hilfe suchend nach dem rettenden
Stuhl, um den Körper sicher vor den Fall zu wahren.
Zwanghaft stützte der
linke Arm den schlingernden Körper und navigierte durch ein Nachgeben des
Ellenbogens den Oberkörper nach vorne, erzwang ein Aufgeben der Knie und ließ
alles in einem Plumps auf das warme Holz des Stuhls enden. Aus dem Loch, der
sich im Mundwinkel bildete, schob sich ein Stöhnen und forderte ohne großes
weiteres Bemühen, das Gegenüber, zum Anblick des Gemarterten auf.
Unsicher legte sich die
linke Hand des Gemarterten auf sein linkes Knie und die rechte Hand glitt
hinter den Rücken zum Stützen an der Stuhllehne. Die Flucht des Oberkörpers durch eine gedemütigte
Seele nach vorne und hinten wurde verhindert. Gefangen durch den Trick des
Tyrannen konnte nur die direkte Konfrontation mit dem Gegenüber erfolgen.
Mit Tss- und
Nee-Lauten, außerdem Kopf schüttelnd untermalt, begann das Herz den Oberkörper
in Vibration zu versetzen. Der Blick senkte sich. Aber nur aufrecht konnte der
Feind besiegt werden. Vor Anstrengung benommen hangelte sich der Blick am
gewaltigen hölzernen Schreibsekretär empor zu den aufgeschlagenen Textseiten des
Gemarterten. Die Hand des Tyrannen besaß langgliedrige Finger und lag auf den
gelisteten Punkten. Die Schande äußerste sich nicht nur in zahllosen Bemerkungen
des Tyrannen an den breiten Seitenrändern und luftigen Abständen im Text des
Gemarterten, sondern die Unfähigkeit wurde auch in Kaligraphie gelistet.
Langsam flog der
Zeigefinder des Tyrannen über die glänzenden Worte der Tinte und brannten sich
als Mahle in das Herz des Gemarterten.
Die Luft wurde dünner,
denn alle Lebenskraft lag für den Gemarterten in seinen gedruckten Worten.
Stunden und Geschichten, Liebe und Hass, ein Teil seines Lebens wurde nicht in
Zeit aufgewogen.
Vor die Augen des
Gemarterten schob sich die Finsternis und durch einen Schleier prasselten die
Worte des Tyrannen. Das Schwert wurde durch Worte erhoben, sauste nieder auf
das Haupt des Gemarterten und schnitt die Ohren ab. Die Korrektur des Tyrannen wurde
zum Dolch, bohrte sich in den Hals und drehte als Ventil den Atem ab.
Die Texte des
Gemarterten seien frei von Gedanken. In den Worten werde klar, dass das Denken
gänzlich fehle. Wie stehe der Gemarterte dazu?
Der Gemarterte
antwortete, ohne Denken wäre eine Meinung nicht zu erwarten. Der Tyrann sagte
die Sätze des Gemarterten seien mühsam, grauenvoll die Interpunktion. Ob er
nicht auf Word höre?
Seine Gedanken seien
eine einzige, gerichtete Strecke ohne Quervernetzung.
Der Gemarterte
antwortete, wenn Gedanken gerade laufen und zwar nur parallel, könnten sie
nicht quervernetzten. Alles in Reih und Glied. Er achte nicht auf Wenden. Für
die Indoktrinationen eines Systems fehle ihm ein angeborenes Soldatentum.
Der Tyrann schrie
erbost, dass müsse sich ändern. Aber der Gemarterte sah nicht die Wende, denn
er bliebe immer auf der geraden Strecke.
Nun müsse der
Gemarterte erwachsen werden, führte der Tyrann das Gefecht fort und blitzte mit
den Augen.
Da schrak der Gemarterte
hoch und drückte den Rücken durch. Er fand wieder Haltung und erwiderte, diese
Meinung sei gedankenlos. Es gab schon Tage an denen er alles dachte und nichts
zu Papier brachte.
In seinem Körper stieg
Feuerwerk auf und trug ihn ein Lächeln ins Gesicht. Im Nu löste sich eine Salve
Lachen bis in die nächsten Nächte.
Der Tyrann fing im Zorn
Feuer und rannte gegen die Wände. Sie blieben kalt.
Morgen war auch noch
ein Tag. Mit gleißender Sonne und wenigen Worten.
JD
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