Wenn der Herbst beginnt, drehen sich
alle seine Gedanken im Kreis. Er bleibt stehen und geht nicht weiter.
Die Angst um seine Schuld macht ihm zum Kind. In der Dunkelheit
schweigt der Wind. Er ist heute ohne Begleiter.
Als sich die Türen von einem
gewaltigen Windstoß öffnen, kann in seinem Blick die Hoffnung
gelesen werden. Erstaunt öffnet er seinen Mund und das Lächeln
gleicht einem aufgehenden Vorhang. Wenn der Atmen schneller geht als
das Herz schlägt, spannt er seine Arme an. Er spürt die Kälte auf
seiner Haut. Aber nicht die des Windes, stattdessen die in seinem
schwarzen Inneren. In seinem Ohren schrillt ein heller scharfer Ton
und quält ihn. Denn er drückt die Hände mit aller Kraft auf seine
Ohren. Flach und fest, aber ohne Abhilfe zu verschaffen. Die Augen
treten glasig aus den Augenhöhlen, kurz bevor er sie vor Qualen
zusammenkneift. Die Bänder und Sehnen in seinem Inneren bündeln
gewaltige Kräfte.
Der schrille Ton wie ein Pfeiffen steht
im Raum und hält die Zeit an. Alles wird gelb und dann weiß. Es
blendet und färbt die Dunkelheit vor den Augen orange und blau.
Verloren in der Fläche, bleibt er angewurzelt stehen. Nur den Rücken
krümmt er, sodass seine Schultern nach unten gezogen werden. Ein Moment
ohne Panik. Sein Körper scheint für ihn in die Luft gehoben zu
werden und über dem Holzfussboden zu schweben. Unten wird zu oben
und die Gegenstände um ihn herum sind nicht mehr an ihrer alten
Position. Im gleichen Abstand stehen sie zu einander. Keine Chance
einer Berührung ist sichtbar.
In dieser Position erlangt ihn die
Erkenntnis, dass die Bedeutung nicht in der vorgegebenen Ordnung
liegt. Die Reihung und Postion kann zu einem besseren als auch
schlechteren Ausgangspunkt führen. Ist aber bedeutungsvoller als im
Chaos zu stehen. Jetzt zittert vor Trübsal sein Mund und über ihn
scheint ein mit Druck gefüllter Ballon zu schweben. So gefährlich
wie ein Zeppelin, der mit Gas gefüllt ist. Er könnte jederzeit
durch das brennende Netz des Gemarterten explodieren. Umfangen von
glühend heißen Draht, brennt das Netz ein Muster in seine Haut. Ein
Brandmal, dass ihn umhüllt. Da wird der Schmerz zur Erlösung, denn
er entfernt die Reste seines Selbst aus diesem Leben. Wieso war er
hier derart lange gefangen? Nichts war bei ihm. Jetzt ist kein Platz
mehr für zwei. Alles ist fort und vorbei. Wie sollte es verstanden
werden? Niemand wird ihn mehr begegnen, denn er hört kein Pfeifen
mehr. Nie wieder. Der Wind kam immer und nie zu schnell. Jetzt oder
nie. Der heutige Tag kam und er weiß rein äußerlich ist er ein ganz
normaler Tag. Doch heute verliert er sein Glück. Kein zurück mehr,
für das Wir in dieser Welt. All seine Schritte an jenem Tag waren
langsamer und kürzer. So glaubte er an diesem Tag noch einen
längeren Weg zurücklegen zu können. Welch ein Irrtum.
Der Druck steigt weiter und seine
innere Dunkelheit kämpft tapfer weiter. Der Fluss vor dem Haus tritt
über. Ein großer Schritt und erstaunlich kreativ. Genau heute,
nicht irgendwann stirbt er an seinem inneren Loch. In der Stille sagt
er Ade. Ein Orgelspiel klingt von weiter her. In der kleinen Pause
verliert er sein Herz. Einsam kennt er nun keine Hoffnung mehr.
Vorbei, er kann nichts mehr verstehen, nichts kann er mehr sehen. Er
liebt den Wind. Er kommt, um ihn zu holen. Es gibt kein Spiel, jetzt
ist es soweit. Kein Punkt bildet in ihm ein Ziel. Er ist gefangen,
aber nicht in einer Kiste, sondern in einer weiten Leere. Sie ist
schlimmer, denn dort verliert sich der Geist in einzelne Teile. Die
Dinge können nicht mehr zusammenfinden. Kein Einzelteil haftet am
jeweils anderem. Ein solches Schicksal ist bitterböse.
Keine Tränen, kein Schrei kommt vom
Gemarterten, denn er hat es erkannt. Seine Arme fallen zu beiden
Seiten herab, der Kopf hebt sich und sein Blick geht in den Garten
hinaus. Das offene Fenster bestätigt, er ist allein. Unrealistisch
erfolgt kein Abschied. Der Druck von oben presst sich gegen seine
Leere. Ganz laut knirscht sein Kopf, aber ohne Herz verlangt er keine
Gnade mehr.
Plötzlich ereignet sich nicht der
erwartete Knall, sondern das schwarze Loch in ihm absorbiert die
drückende Last. Er ist verwundert und ruft, ich bin nicht richtig
ausgeglichen. Aber die Leute gehen an seinem Haus vorbei.
Wiedererwarten erscheint der Wind und
bringt Licht in seine Welt. Die Gefühle hat er verloren, wie schön,
dass der Wind für ihn an die Wände drückt. Sie bersten in große
Stück, so erfolgte es auch mit seiner Seele. Seine Haut spürt den
Wind und er sieht das Licht der Sterne. Ihm wird gewiss, das
Wichtigste in ihm fehlt. Seine Seele war nie am Leben. Er kann nicht
mehr tief durchatmen. Das ist aber nötig, um aufzunehmen, was alles
in der Welt passiert. Durch die Enttäuschung schwärzt die dunkle
Leere seinen kraftlosen Körper. Er wird die Nacht. Wer weiß von
seinem Überlebenskampf, seiner Lebenszeit? Nun, er ist ein Teil der
Welt, nicht die Welt Teil von ihm. In der Nacht wird sein Frieden
offenbart, jenseits der Vorstellung kann er entdeckt werden. Nach
Tagen finden Tiere fast all seine Knochen, an dem Tag jagen sie
keine Beute. Sein Kampf ist noch an seinem Todesort verhaftet, das
spürt selbst ein Tier.
JD
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