Wenn er aber gebeten wird
zu berichten, gerät er in Not, denn Gedanken, Träume und
Erinnerungen sind laut oder leise, farbig oder eintönig, gewichtig
oder banal. Wo fängt man denn nur an zu suchen und hinzuhören?
Begibt man sich auf die Suche muss man auch nach dem Weg fragen und
das war ihm von Anfang an unangenehm. Das können aber die Menschen
nicht sehen, denn sie hören nur seine Klagen. Die pochende Stirn,
der krumme Rücken und schwere Gang machen ihn noch kleiner als er
überhaupt hoch wachsen konnte. Fragende wussten keinen Rat mehr und
zogen von einer Frage zur nächsten weiter. Dies verunsicherte ihn
zunehmend, sodass er den Kopf wild schüttelte und die Augen
zusammenpresste.
Was aber kam, war ein
heißer Atem und unsicherer Wank. Nun empörten sich die Fragenden,
warum der Wissende nicht antworten könne. Er wusste sich nicht zu
helfen und biss verkniffen auf seine Speichel benässte Zunge. Der
Speichel staute sich in seiner Mundhöhle und gab keinen Weg frei.
Er bekam Angst vor der
Wortlosigkeit und versuchte ungestüm die Dämme zu brechen. Die Tat
war nicht von Erfolg gekrönt und ließ ihn weiter verzweifeln. Was
ihm blieb, war nur das Handeln. Da geriet er in Panik fuchtelte wild
mit den Armen. Die vorbeilaufenden Menschen erschraken und gingen
schnell zu einem sicheren Hafen. Was konnte er jetzt noch tun? Was
bleibt, ist Warten?
Ohne Macht über seine
Gedanken konnte er sie nicht zur Ordnung rufen. Er wünschte sich so
sehr eine rettende Flut und schickte sich an auf seine Zunge zu
beißen. Die Zunge war eine heiße Sache. Früher konnte sie alles
schmecken und das Leben voll auskosten. Dann verlor sie alle Scham
und gab sich ganz frei. Hatte sie dann Lust zu trotzen, blieb sie
einfach liegen. Jetzt waren viele Jahre vergangen und da blieb sie
aus Altersstarrsinn verdrossen ignorant.
Die Zähne jedoch wurden
über die Jahre ganz scharf vom Schleifen. Sie blitzten bösartig an
der Sonne. Schnell konnten sie sich in die Zunge bohren und schnitten
was vom Ende ab. Jetzt löste sich die Flut und alles rauschte aus
ihm raus. Er rief, es darf doch nicht alles verloren gehen, ich habe
euch gebraucht. Aber die Gedanken waren schon weggefloßen und von
dannen gezogen. Sie hinterließen keine bleibende Erinnerung, denn es
wurde alles reingewaschen. Erschrocken über diese unerfüllte Leere
begab er sich auf die Suche. Da bemerkte er ohne die Schwere könnte
er leichter gehen. Er bemächtigte sich dem aufrechten Gang und bekam
Halt vom Rückgrat. Die hatten sich schon lange nicht mehr getroffen.
Jetzt zog der Kopf am Nacken und richtete sich gegen dem Himmel auf.
Die Sonne strahlte und das unendliche Blau löste einen Reiz in ihm
aus.
Er begab sich auf die
Suche nach allen Farben. Jahre verbrachte er mit dem Sammeln und
besuchte viele aufregende Orte. Es berauschte ihn alles zu finden,
was zu sehen gab. Ohne gescheit funktionierende Zunge blieb er
gedankenfrei. Nun war es an ihm Fragen zu stellen und um Antworten zu
bitten. Das viel ihm weiterhin schwer, denn er konnte nicht
wiedergeben, was er wissen möchte. Ein Dilemma! Da wurde es Frühling
und es kamen die vielen Farben. Sie umspülten seine Welt und zogen
ihn mit sich. Besonders sein Kopf lag in den Wolken. Ohne Blick für
die unteren Ränge übersah er die Wege und geriet in eine Falle. Das
Loch war riesig und schwarz. Ganz ohne Farbe. Ihm wurde alles
genommen und er wurde eins mit dem farbenfreien Raum. Er verlor seine
Farbe und verschwand im Schwarz.
JD
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